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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

sehen Städte wie Ypern und Gent . Aber natürlich war die Vor-aussetzung für die Ausnutzung jener günstigen Naturbedingungen,dafs die Mehrprodukte des Landes in der Stadt accumuliert werdenkonnten, und dazu bedurfte es der Einbeziehung der Grundherrnin die Kreise der städtischen Bevölkerung.

Was diese hier mehr, dort weniger umfassend gestaltet hat,kann hier, wo nicht das Mannigfaltige im Allgemeinen, sonderndas Allgemeine im Besonderen gesucht wird, nicht erörtert werden.Künftige Historiker werden dieser Frage ihre Studien widmenmüssen. Ich denke doch, dafs der Einflufs der römischen, vor-wiegend städtischen Kultur hier als ein wesentlich bestimmendesMoment anzusehen ist. Deshalb doch wohl in Italien die starkeTendenz zur Urbanisierung des Landadels, deshalb eine stärkereKonzentration ländlicher Grofsgrundbesitzer in den Städten überall,wo aufserhalb Italiens das Römertum seine Spuren zurückgelassenhatte: stärker in den rheinischen und südlichen Gebieten Deutsch-lands , als in den unwirtlichen Kolonisationsländern des Nordensund Ostens. Aber es mögen auch andere Umstände bestimmendmitgewirkt haben. So hat in England eine eigentümliche Ge-staltung des Verfassungslebens wie des Erbrechts frühzeitig eineAbstofsung der jüngeren Söhne des hohen Adels in die Städte, so-wie eine Verschmelzung der Gentry mit dem Bürgertum zu Wegegebracht.

Es ist aber für die hier entwickelten Gedankengänge auchgleichgültig, was im einzelnen Falle einer Stadt oder den Städteneines Landes einen gröfseren Zuflufs von Landrentenbeziehern ge-bracht hat: wichtig ist nur die Feststellung, dafs von der Stärkedieses Zustroms ohne allen Zweifel zu einem grofsen Teile dieEntwicklung des bürgerlichen Reichtums abhängig gewesen ist unddafs auf sie nicht zuletzt die unterschiedliche Gestaltung der Städtezurückzuführen ist. Die Historiker sollten mehr als bisher ihrAugenmerk auf diesen Punkt richten. Sie würden dann bei-spielsweise ohne Zweifel zu der Einsicht kommen, dafs der gröfsereReichtum der italienischen und flandrischen Städte zum guten Teildarauf zurückzuführen ist, dafs es diesen Städten weit radikalerals den deutschen oder französischen Städten des Mittelalters ge-lang, schon frühzeitig auch den Landadel zur Beteiligung am städti-schen Leben zu zwingen, d. h. mit anderen Worten, ihn zurMonetarisierung seiner Renten zu veranlassen und dadurch ihrenHandel sowie ihr ganzes Wirtschaftsleben auf die breite Basisgrofser Vermögen zu stellen. Gewifs war auch in deutsche Städte,