;}](> Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .
auch seine wohlhabenden Patrizierfamilien wanderten aus“ (sc. nachVenedig). So urteilt einer der besten Kenner der älteren Geschichte Venedigs.J. von Schlosser, Die Entstehung Venedigs, in der Beilage zur Allge-meinen Zeitung 1897. Nr. 7. S. 4. Was die Quellen an langt, aus denen auchwohl von Schlosser im wesentlichen schöpft, so sind es die bekannten altenChroniken, unter denen das sog. Chr. Altinate eine hervorragende Rolle ein-nimmt. Es ist zu bemerken, dafs diese Chroniken als Quellen der socialenGeschichte keineswegs verdächtig, sondern sehr wohl brauchbar sind. Daswenigstens ist das Ergebnis, zu dem der überaus vorsichtige H. Sim onsfeldin den Venetianischcn Studien 1 (1878), 101 f. und passim gelangt.
Vornehme Geschlechter waren es also, die nach dem Rialto zogen, unddafs sie nicht mit leeren Händen kamen, dürfen wir ebenfalls wohl als gewifsannehmen. Entweder sie hatten ihren früheren Besitz schon versilbert, alssie die Wanderung antraten, oder aber, und das ist in den unruhigen Zeiten,in denen meist die Umwanderung stattfand, das wahrscheinlichere, sie warennoch Eigentümer von Grund und Boden auf der terra ferma, als sie sich aufder Lagune niederliefsen. Es ist in der That „molto probabile, che parecchiefamiglie illustri conservasse.ro colä qualche parte dell’ antica fortuna. None credibile infatti che i nostri volontariamente avessero abbandonato tuttoil retaggio dei padri, mentre e certo che un numero rilevante di Veneto -Romani, anticlii possessori del suolo, vi si mantenDero come fanno fede lecarte antiche nel Codice diplomatico di Padova“. P. G. Molmenti, La Storiadi Venezia nella Vita privata. 1880. pag. 20.
Bedenken wir nun, dafs zu den ursprünglichen Besiedlern römischer Ab-stammung noch illustre Geschlechter griechischer Herkunft wie die Partecipazioder langobardischen Blutes wie die Candiani kamen, alles noch vor dem9. Jahrhundert, dafs im 10. Jahrhundert schon Dalmatien und Istrien unter-worfen wurden, so müssen wir als sicher annehmen, dafs in der That imalten Venedig ein grofser Teil dessen, was vornehm und angesehen war, diesseinem Grundbesitz auf der terra ferma verdankte, der selbst wieder dieBasis für das Herrentum in der Stadt abgab und damit neuen Anlafs zurBereicherung (mit städtischer Grundrente) bot. Dafür sprechen auch eineReihe weiterer Belege, die unmittelbares Zeugnis ablegen.
Im Jahre 785 schreibt Papst Hadrian I. an Karl M.: „Dem von Euch anuns gelangten Befehle, dafs unverzüglich die im Exarchat und der Pentapolisansässigen Veneter Kauf leute aus dem Lande entfernt werden sollten, habenwir entsprochen und dem Erzbischof von Ravenna die Weisung erteilt, dieVeneter aus allen Besitzungen und Burgen, die sie im Bereicheunseres Gebiets inne hatten, zu vertreiben.“ Cenni, Mon. dom. pont.1, 459 ff., cit. bei Gfrörer, Byzantinische Geschichten 1, 88/89.
In der am 23. Februar 840 von Lothar zu Gunsten Venedigs ausgestelltenUrkunde keifst, es, dafs der Doge, der Patriarch von Grado, die Bischöfe,auch das Volk Venetiens ungestört alles auf dem Boden des italieni-schen Festlandes (oder des fränkischen Reiches) erworbene Eigentumin gleichem Umfange besitzen sollen, wie es ihnen z. Z. Karls M. durch denmit den Griechen geschlossenen Staatsvertrag (von 810) zugesichert wordensei. Gfrörer 1, 182. Der Schutzbrief Karls des Dicken vom Jahre 883(13. Mai) an den Dogen Johann II. von Partecipazzo besagt, es sei kund-gethan, dafs Johann, Doge von Venedig, uns durch Gesandte die Bitte vor-