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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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322
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322 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

Produkts. Diese Tendenz kommt in allen für die ländliche Bevölkerung seitdem 12. Jahrhundert neu erlassenen Gesetzen und statutarischen Bestimmungenzum Ausdruck. So finden wir in den Florentiner Statuten eine Lohntaxeverfügt, deren Überschreitung (N.B. seitens der Arbeiter!) mit Gefängnis be-straft wird und eine Fülle von Bestimmungen, die den Kolonen zum gefügigenWerkzeug seines Herrn zu machen geeignet waren;nulla perö statuironocirca ai diritti dei lavoratori e delle loro famiglie. Poggi, Cenni intornoall agricoltura 2, 454. Mafsnahmen, die, wie derselbe Autor mit Keclit be-merkt (175), beweisen,che le servili catene degli agrieoltori non furono f

spezzate per puro sentimento di caritä, ma principalemente per favorire lin-teresse della casta mercante.

Was die Höhe der Rentenanteile betrifft, die von dem Kolonen demHerrn abzuliefern waren, so bemerken wir, wie sie im Florentiner Gebieteim 12. und 13. Jahrhundert, d. h. als die Grundeigner im wachsenden UmfangeFonds für ihre Handels- und Geldgeschäfte brauchten, eine starke Steigerungerfahren. Während ehedem der Kolone nur Vio bis Vs abzuliefern verpflichtetgewesen war, setzt sich seit der Mitte des 12. Jahrhunderts allmählich diegleiche Teilung der Ernte als Regel fest. Poggi 2, 127 f., Sugenheim ,

Aufhebung der Leibeigenschaft (1869), 200. Vgl. auch Davidsohn, Gesell,von Florenz 1, 778 f.

Gleichzeitig mit dieser Vergröfserung des Herrenanteils an dem gesamtenBodenerträge geht nun aber, wie schon hervorgehoben wurde, eine beträcht-liche Steigerung der Intensität des Anbaus nebenher, sodafs die den Städtenzufliefsenden Fonds von zwei Seiten her gleichzeitig vergröfsert werden, ohnedafs sich die materielle Lage der Bauern hätte notwendig zu verschlechtern ?

brauchen.

Ich mufs nun aber die geduldigen Leser bitten, mich noch einmal nachFlorenz zurückzubegleiten und hier einige Umschau über den Bestand anreichen Familien zu halten, die um die Wende des 13. Jahrhunderts daselbstangetroffen werden. Wer auch nur oberflächlich die florentiner Geschichtekennt, wird auf den ersten Blick bemerkt haben, dafs in meiner Übersichteine Reihe gerade der bedeutendsten Handelshäuser fehlt, gerade jene fehlen,von deren Reichtum im 14. Jahrhundert wir die zuverlässigste Kenntnis be-sitzen. Ich meine zunächst natürlich die ßardi, die Mozzi und die Peruzzi;dann aber denke ich auch an die Cerchi, die Franzesi, die Frescobaldi, dieGherardini, die Rossi.

Wer waren diese Leute? Sind sie etwa allesamt aus kleinen Hand-werkern und Packenträgern hevorgegangen und eine schreiende Widerlegungder hier vertretenen Auffassung? Wir wollen gewissenhaft prüfen.

Zunächst läfst sich dieses feststellen, dafs die genannten Familien vonallen Historikern zu der sog.gente nuova gezählt werden, wie man nach if

Dantes Vorgang sich gewöhnt hat, ein vermeintliches Parvenutum zu nennen,das in jenen Jahren um 1300 in Florenz eine Rolle zu spielen anfäugt.

Man pflegt zum Beweise die Stellen aus dem Inferno 16, 7375:

La gente nuova e i subiti guadagniOrgoglio e dismisura han generataFiorenza in te, si che tu giä ten piagnP,sowie aus dem Paradiso 16, 59 ff. mit Vorliebe zu citieren.

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