Dreizehntes Kapitel. Die Kolonialwirtschaft.
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gestreckt hatten. Zwischen die Völker des Orients und Westeuropa schob sich dagegen das arabische Händlertum, das dem europäischenim wesentlichen als ebenbürtiger Kontrahent gegenübertrat. EinJahrtausend hindurch haben die Araber die orientalischen Völkerin ihrem Interesse ausgebeutet, haben sie sich des Reichtums desOrients als eines mächtigen Tragbalkens für ihre glänzende Kulturbedient.
Darum ist das für Westeuropa entscheidende Ereignis, daszwei Weltalter trennt, von dessen Eintritt an wir mit Recht einenneuen Abschnitt der Geschichte beginnen lassen, die Ver-drängung der Araber aus ihrer zwischen Orient und Abendlandvermittelnden Stellung: wie bekannt, das Werk der Portugiesen.Mit Waffengewalt wird die Herrschaft der Muhamedaner in Afrika und Ostindien gebrochen: ihre Verdrängung aus Afrika beginntmit der Eroberung von Ceuta (1415), sie wird vollendet mit derSchlacht von Ala§er Kebir; mit der Eroberung von Malakka (1511)war der Einflufs der Araber in Indien vernichtet. Die Nach-richt von der unwiderstehlichen Gewalt der Portugiesen ver-breitete sich über das ganze Land; von allen Seiten, selbstvon den Königen in Siam und Pegu, kamen Gesandte, umBündnisse und Handelsverträge zu schliefsen. Albuquerques’Weitblick erkannte dann aber die Notwendigkeit, die Araberim eigenen Lande anzugreifen, das Rote und Persische Meer, dieVerbindungsstrafsen des arabischen Zwischenhandels, zu sperren,diesen also in seiner Wui’zel zu treffen. Diesem Zwecke diente dieEroberung von Aden und Hormus. Mit diesem Augenblicke warin der That eine neue Kulturepoche angebrochen : Westeuropa hattedie Erbschaft des Kalifenreiches endgültig angetreten. Um zu er-messen, was es bedeutete, den Zwischenhandelsprofit der Araberin europäische Taschen zu leiten 1 , mufs man den ungeheuren Preis-aufschlag kennen, mit dem die arabischen Händler die Warenweiter verkauft hatten. Eine uns überkommene Berechnung eng-lischer Kaufleute aus dem 1(5. Jahrhundert ergiebt, dafs die ost-indischen Waren in London halb so viel kosteten als in Aleppo;
1 Wie sehr ein grofser Teil des arabischen Reichtums auf der kom-merziellen Ausbeutung der afrikanischen und namentlich asiatischen Völker-schaften beruhte, lehrt jede Geschichtsdarstellung. Vgl. noch insbesondereStü w e, Die Handelszüge der Araber unter den Abbassiden (1836), und nament-lich von Kremer, Kulturgeschichte des Orients 2 (1877), 274 ff. 189 (Reich-tum der Kaufleute; Vermögen von 20—30 Mill. Frcs.).