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des Kapitalismus in dem Mafse, als das Exploitationsgebiet deseinzelnen europäischen Staates ein räumlich mehr oder wenigerausgedehntes im Verhältnis zur eigenen Bevölkerungsziffer ist. Imganzen kann die Bedeutung der Ausplünderung fremder Völkermittelst Kolonialwirtschaft für die Entwicklung des Kapitalismusnicht leicht zu hoch angeschlagen werden:
Wenn Westeuropa eine so starke kapitalistische Entwicklungerlebt hat, wie unseres Wissens noch nie ein Land zuvor, so istdies gewifs nicht zuletzt daraus zu erklären, dafs die Westeuropäermehr als irgend ein Volk früher fremde Völker sich tributpflichtigmachen konnten und machten. Man sollte nicht vergessen, dafsWesteuropas wirtschaftliche Entwicklung die Ausplünderung dreierErdteile zur notwendigen Voraussetzung gehabt hat, dafs der Wohl-stand unzähliger blühender und reicher Völker der alten und neuenWelt erst die Mittel geschaffen hat, die den europäischen Kapita-lismus ins Leben riefen. Der Reichtum der italienischen Städteist ebenso undenkbar ohne die Auspowerung der übrigen Mittel-meerländer, wie Portugals, Spaniens, Hollands, Frankreichs, Eng-lands Blüte nicht denkbar ist ohne die vorherige Vernichtung derarabischen Kultur, ohne die Ausräubung Afrikas , die Verarmungund Verödung Südasiens und seiner Inselwelt, des fruchtbaren Ost-indiens und der blühenden Staaten der Inkas und Azteken .
A. Die verschiedenen Methoden der Ausplünderung.
I. Der koloniale Handel.
Unter den Methoden, den Reichtum der fremden Völker in dieTaschen der Westeuropäer zu bringen, begegnen wir zunächst alsder ursprünglichsten der unter der Bezeichnung „Handel“ (com-merce) bekannt gewordenen Aneignungsart. Genauer umschriebenhaben wir es bei diesem soi disant-IIandel mit einem kunstvollenVerfahren zu thun, wehrlosen Völkerschaften mit List und Gewaltauf dem Wege einer scheinbar freiwilligen Tauschhandlung mög-lichst unentgeltlich Wertobjekte abzunehmen. Je gröfser die Über-macht des europäischen Staates, desto gewinnbringender gestaltetesich natürlich dies Verfahren. Während des Mittelalters war dieserKolonialhandel für die Westeuropäer in verhältnismäfsig engeSchranken gebannt. Widerstandslose Völker zu beliebiger Aus-beutung gab es nur im russischen Reiche, in das von Norden herdie Hanseaten, von Süden her die Genuesen ihre Fangarme aus-