Dreizehntes Kapitel. Die Kolonialwirtschaft. :}2!)
ganz wertloser Gegenstände abzuschwindeln oder sie zum Verkauffür ein Spottgeld zu bewegen. Von einem Austausch von Äqui-valenten war weder im objektiven noch subjektiven Sinne die Rede.Den Indiern teilte der Corregidor ohne Rücksicht auf den Bedarfeuropäische Waren zu. Nach Bodin kosteten alte Stiefeln 300 Du-katen, ein spanischer Mantel 1000 Duk., 1 Pferd 4—5000 Duk.,1 Becher Wein 200 Duk. Die unglücklichen Eingeborenen erhieltenoft Sachen, deren Gebrauch sie nicht entfernt kannten. Sie mochtendagegen Vorstellungen machen, so viel sie wollten: die „Verkäufer“weigerten sich, irgend etwas zurückzunehmen. Oft verdienten siekaum genug für den eigenen und den Familienunterhalt, solltenaber sich in Samt und Seide kleiden, die kahlen Wände ihrer bau-fälligen Hütten mit Spiegeln schmücken; man gab ihnen Spitzen,Bänder, Knöpfe, Bücher und tausend andere unnütze Dinge, undalles für die unsinnigsten Preise. Dergleichen Austeilungen dereuropäischen Importen nannte man im spanischen Amerika riper-timientos h
Die Hudsonbay-Company soll den Eingeborenen zu Anfang des18. Jahrhunderts mit 2000 °/o Gewinn verkauft haben 1 2 . Die Portu-giesen verdienten an ihren Exporten „gewöhnlich 400 °/o“ 3 .
Ebenso bekannt sind die Spottpreise, zu denen den Eingeborenenihre Erzeugnisse „abgekauft“ wurden. Der Bahar Gewürznelken,der auf den Molukken 1—2 Duk. kostete, wurde bereits in Ma-lakka mit 10—14 Dukaten, in Calicut mit 50—60 Goldskudi be-zahlt 4 . Die holländisch-ostindische Compagnie kaufte den Pfefferzu D/ 2 —2 Stüber das Pfund, und verkaufte ihn in Holland zu17 Stüber 5 6 ; die Portugiesen zahlten in Ostindien 3—5 Duk. für
1 Vgl. (lie Darstellungen bei Scherer, 225 ff.; Bonn, Spaniens Nieder-gang, 111, wo auch die Quellen angegeben sind. Eine den modernen An-forderungen entsprechende Bearbeitung der Kolonialwirtschaft ist nicht vor-handen.
2 Roscher, Kolonien etc. 3. Aufl. (1885), 263.
3 F. Saalfeld, Geschichte des portugies. Kolonialwesens in Ostindien(1810) 147. S.s Hauptquelle istPyrard de laVal, Voyage aux Indes orien-
tales etc. 1679.
* Odoardo Barbosa bei Ramusio , Delle navigationi 1 (1563), 323 f.Von ähnlichen Einkäufen zu Spottpreisen auf der Insel Gigolo erzählt Ant.Pigafetta; man erstand einen Bahar Nelken für 10 Ellen guten oder 15Ellenschlechten Zeuges; für 35 Wassergläser u. s. w. Viaggio di A. P. atorno ilmondo bei Ramusio 1, 366B.
6 Saalfeld, Geschichte des holländischen Kolonialwesens in Ostindien1 (1812), 258.