Dreizehntes Kapitel. Die Kolonialwirtsehaft.
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je den dritten Teil, ebenso wie von dem umliegenden Gebiete. Ihmfolgten Pisa und Venedig, das seit 1100 am Kampfe beteiligt,1110 von dem reichen Sidon, 1123 von Tyrus je ein Drittel sichzusprechen läfst b Zu den Städten gehörte stets eine grofse Land-schaft; besafsen doch die Venetianer allein in der Umgegend vonTyrus einige 80 Casalien 1 2 .
Von nun an war alles Sinnen und Trachten der grofsen, füh-renden Stadtgemeinden Italiens auf Erweiterung ihres Kolonial-besitzes in den Mittelmeergebieten gerichtet. Und es entstandendenn auch Kolonialreiche von einer Mächtigkeit (im Vergleichnatürlich zu der Gröfse der Mutterstadt), wie sie die Weltgeschichte— trotz Rom und England — wohl ein zweites Mal nicht ge-sehen hat.
Venedigs Kolonialbesitz erfuhr bekanntermafsen eine plötz-liche, gewaltige Ausdehnung infolge der Aufteilung des byzantini-schen Reichs, bei welcher die Lagunenstadt drei Achtel des riesigenGebietes erhielt 3 4 . Damit kamen in seinen Besitz die Länder Epirus, Akarnanien, Ätolien, die ionischen Inseln, der Peloponnes, die gegenSüden und Westen gelegenen Inseln des Archipelagus *, eine An-zahl Städte an der Meerenge der Dardanellen und am Marmora-meer, thracische Binnenstädte wie Adrianopel u. a., Pera, die Vor-stadt von Konstantinopel, Kandia und bald nachher auch das wich-tige Cypern. Dieses immense Gebiet wurde dann im Verlauf derJahrhunderte fortgesetzt arrondiert durch Erwerbungen in Armenien, am Schwarzen Meer u. s. w.
Hier jedoch hatte die Vorherrschaft Venedigs ihre gefährlichsteRivalin: Genua 5 . Die Genuesen besafsen in der Krim ebenso
1 H. Prutz, Kulturgeschichte der Kreuzzüge S. 377 ff.
2 H. Prutz, a. a. 0. S. 390. Heyd 1, 170 f.
3 „Vint 4 la part de Venise la quarte part et la moitiö de la quartepart de tout l’empire de Romanie.“ Le livre de la Conqueste. Ed. Buchon(1845), 21. Die genauen Angaben siehe bei J. A. C. Buchon, Recherches etmateriaux pour servir 4 une histoire de la domination franijaise au XIII.,XIV. et XV. sc. dans les provinces demembrees de l’empire grec. 1 (1851), 13 ff.Die betreffenden Urkunden sind abgedruckt bei Thomas u. Tafel 1, 452 ff.
4 Hier herrschten die Sanudos, die sich ducs des douze iles nannten, bissie 1372 die Crispo ablösten. Buchon, 352 ff. 357 f. Man nannte das „eon-quete de familles“.
B Über den Genueser Kolonialbesitz unterrichten im Vorbeigehen Heyck,Genua und seine Marine (1886), 154; Sieveking, Genues. Finanzwesen 1,178 f.; 2, 102, Cibrario, Ec. pol. 3 2 , 280 (der ein Ms. Semino, Mem. stoT.sul commereio de’ Genovesi dal sec. X al XV citiert), und natürlich auchHeyd.