Dreizehntes Kapitel. Die Kolonialwirtschaft.
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Aber auch die gelbe Rasse hat gewaltige Opfer an Menschen-leben erfahren müssen. Banjuwangi, eine Provinz von Java, zählte1750 noch über 80000 Einwohner, 1811 nur noch 8000 h Im Jahre1617 wurde von den Siebzehnern der privilegierten Compagnie derbereits 1615 ergangene Befehl dringlicher an ihren Statthalter Coenwiederholt, die Bevölkerung auf den Bandainseln auszurotten unddiese mit gefügigen Stämmen oder Sklaven neu zu bevölkern. Einpaar Jahre später wurde die Blutthat auch wirklich ausgeführt;15000 Menschen fielen den Interessen der Siebzehner zum Opfer 8 .Und gleiche Metzeleien werden uns noch häufiger von den Inseln,die sich in holländischem Besitz befanden, berichtet. Sie warenmeist mit der Vernichtung der Gewürzbäume verknüpft, wie siedie Compagnie vornehmen liefs, um den Handel in diesen Erzeug-nissen gänzlich zu monopolisieren 1 2 3 . Genaue Ziffern über die Ver-minderung der Bevölkerung sind nicht zu geben; dafs sie vorhandenist, ist eine von niemand geleugnete Thatsache. Ein so besonnenerSchriftsteller und vorzüglicher Kenner der Materie, wie Böke-rn ey er, fafst sein Urteil dahin zusammen: „Die Abnahme der
Bevölkerung (auf den Gewürzinseln), die von Geschlecht zu Ge-schlecht sich ausbreitenden Mifsgestaltungen und Hautkrankheitenunter den Insulanern sind das nicht mifszuverkennende Merkmalder jahrhundertelangen Bedrängungen und Leiden, welche als einFluch auf diesen schönen Landen ruhten 4 .“
Das alles aber verschwindet gegenüber den Hekatomben vonNegern, die dem Moloch der Kolonial Wirtschaft geopfert sind.Anfangs ist man geneigt, die Ziffern, die uns über die Sklaven-ausfuhr aus Afrika überliefert worden sind, für phantastisch zuhalten, bis man sich überzeugt, dafs sie auf Wahrheit beruhen.
1 Th. Stamford Raffles , Java and its dependencies (1817), cit. beiMarx, Kapital l 4 , 717.
2 Bokemeyer, Die Molukken, 132 ff. B. fügt in einer Anm. (S. 133)
hinzu: „So lange das Archiv der alten Kompanie unzugänglich war, wurde
angenommen, dafs die Siehzehner die Ausrottung der Bandanesen nicht ge-wollt und ein Vernichtungsurteil von vornherein nicht gefällt hätten . . . .Aus den offiziellen Aktenstücken geht aber hervor, dafs die Siehzehner überalle Einzelheiten genau unterrichtet waren und sie selbst die Blutbefehlegaben.“
3 Bokemeyer, a. a. O. „Die Niederländer konnten nicht alle Gewürzekaufen, weil die Menge für ihre Packhäuser und ihren Bedarf zu grofs werdenmufste, so blieb nur der Entschlufs übrig, die überflüssigen Wälder vollständigauszurotten.“ (S. 179.)
4 Bokemeyer, 293 f.