Dreizehntes Kapitel. Die Kolonialwirtschaft.
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Dafs nun aber auch die Produktion mit Sklaven oder sonstwiezwangsweise herangezogenen Arbeitern äufserst profitabel sein kann,lehrt uns ebenfalls eine Fülle von Zeugnissen. Sehr charakte-ristisch ist die Entwicklung auf den französischen Antillen. Hierwurden anfangs „freie“ Arbeiter „engag6s“, beschäftigt, die aber,obwohl auf drei Jahre zur Arbeit verpflichtet, doch allmählich ver-schwanden, weil sie der Konkurrenz der Negersklaven nicht ge-wachsen waren! 1
Aber haben wir denn nicht genug positive Belege für diegrofse Ergiebigkeit der Sklavenarbeit? Man erinnere sichdoch nur der fabelhaften Einkünfte, die in den ersten Jahrzehntennach der Eroberung die Spanier in Peru und Mexiko aus ihrenGütern zogen, auch ohne dafs sie sie durch Bergbau nutzten 2 .Oder man gedenke der hohen Dividende, die die meisten privile-gierten Compagnien lange Jahre hindurch gezahlt haben 3 .
Und zu demselben Ergebnis kommen wir, wenn wir die Renta-bilitätsberechnungen durchmustern, die wir für einzelne Sklaven-wirtschaften besitzen. Gegen 1700 wird auf den französischen An-tillen eine Plantage nach Labat auf 350—400000 Frcs. geschätzt,
1 „Cet abandon resulta . . de l’exemple des autres colonies dans lesquelson se servait des n5gres, dont le travail donnait de grands bdndfices auxproprißtaires et aux traitants. Sans l’attrait de ces gains funestes, l’dmi-gration europÄenne eüt continue, car eile n’a pas cesse ä raison du climat desAntilles; mais par suite de la traite des nfegres.“ Josd Saco, De laSuppression de la traite des esclaves africains dans l’ile de Cuba. RevueColoniale. Mars 1845. t. V. pag. 258; bei P eytraud, 25.
2 Siehe unten S. 369.
3 Siehe die betreffenden Artikel im H.St. (von R. Ehrenberg) und diedaselbst namhaft gemachte Litteratur. Es ist davor zu warnen, aus geringenDividenden der privilegierten Gesellschaften, wie sie bekanntlich öfters vor-kamen, ohne weiteres auf mangelnden Profit zu schliefsen. In solchen Fällenwar das Fafs, in dem der Gesamtprofit angesammelt werden sollte, vielleichtnur etwas undicht: es flössen davon zu viel Teile vorher in die Hände ein-zelner Mitglieder oder Beamter. Charakteristisch sind dafür die Ziffern, dieBokemeyer (Die Molukken, 279) für die holländisch-ostindische Compagniemitteilt. Auf der einen Seite wuchsen die Bedürfnisse der einzelnen Kontorsund steigerten sich ihre Unterhaltungskosten. Auf der andern Seite wurdendie Sendungen an Privatwechseln nach dem Mutterlande immer häufiger. ImJahre 1705 nicht höher als fl. 274434, stieg dieser Betrag im Jahre 1746 auffl. 1 209 586 und im Jahre 1764 auf fl. 1 333419. Einzelne Inhaber weisen ganzbedeutende Beträge an. In der Berechnung vom Jahre 1746 zahlt ein ins Vater-land zurückgewanderter Fiskal 55 386 fl. auf Wechsel ein; den Waisenhaus-meistem in Amsterdam werden fl. 74 808, denen zu Utrecht fl. 117 766,denen zu ’s Gravenhage fl. 37 839, denen zu Delft fl. 33 253 überwiesen.
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