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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

genau feststellen. Dabei müssen wir ganz absehen von den Ge-winnen, die im Anfang der Negersklaverei, als die Häuptlinge ihreneigenen Nutzen noch gar nicht zu wahren verstanden, erzieltwurden. Kaufte man doch anfangs, zumal im Innern von Guinea ,einen jungen, wohlgewachsenen und gesunden Mann für ein StückLeinwand im Werte von 3 Mitkals 1 , für einen Anker Branntwein;gaben doch damals die Negerfürsten für ein Pferd 1015 Menschenals Gegenwert hin 2 * .

Aber auch für die spätere Zeit haben wir genug Zeugnissedafür, dafs der Profit im Negerhandel kaum je weniger als 50°/o,meist viel mehr, bis 180 und 190 °/o betrug. Ein Bericht des Com-mandant Directeur et Inspecteur gdndral de Guinde, Mr. Courhe,vom 26. März 1693 enthält folgende Ziffern: 800 Sklaven werdenfür 29200 livres eingekauft und für 240000 livres verkauft. Erfügt hinzu:au S4n6gal on traite commundment 200 captifs quine coütent pas plus de 30 livres la pi&ce et sont vendu aux lies300 livres au moins 8 . Aus der Geschichte des englischen Sklaven-handels sind uns amtlich folgende Kostenberechnungen überliefert.Das SchiffFirm (19. Jahrh.) erzielte laut gerichtlicher Feststel-lung eine Totaleinnahme von 145000 Doll.-, die Totalausgabe fürEinkauf, Provisionen, Munition, Löhnung etc. betrug 52000 Doll.,der Gewinn also 180%. Ein SchiffVenus ladet 850 Sklaven,die ihm 3400 beim Einkauf kosten, die Spesen bis zum Ankunfts-hafen belaufen sich auf 2500 #, der Verkaufserlös erreicht dieenorme Höhe von 42500 Ähnliche Fälle sind uns zu Dutzen-den bekannt. Es ist unnütz, die Beispiele zu häufen, um einzu-sehen, welche Bedeutung der Sklavenhandel für die Accumulationin den Seestädten der europäischen Staaten besessen hat 4 * * * .

1 Nach dem Berichte des Valentin Ferdinand über Arguim. Vgl. F.Kunstmann, Die Handelsverbindungen der Portugiesen mit Timhuktu in denAbh. der III. Klasse der K. bayr. Akad. der Wiss. Bd. VI 1. Abt. S. 179.

2 Reisebericht des Mess. Alvise de la da Mosto (1454) bei RamusioDelle navigationi (1563), 99 Rückseite. Freilich standen damals auch diePreise für fertige Neger noch viel niedriger als im 17. und namentlich 18. Jahr-hundert. Bis Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich die Verkaufspreise ver-sieben- bis verachtfacht. Peytraud, 127.

8 Peytraud, 99103.

4 Buxton, 165 ff. Gleich der erste Asiento, der dem Ritter de la Bresa

erteilt war, konnte von diesem sofort gegen Erstattung von 25 000 Duk. an

die Genuesen weiter verkauft werden. Knapp, 141. Weitere Angaben über

die Einträglichkeit des ursprünglichen Monopols, das, wie bekannt, eine Zeit

lang auch die Taschen der deutschen Handelsherren füllte, siehe hei Häblerin der Zeitschrift für Social- und Wirtschaftsgeschichte 4, 206 f.