360 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .
gegenüber Deutschland hatte 1 . Dann aber lud es das deutsche Gold und Silber auf seine Galeazzen und segelte damit nach derLevante, um es hier den Arabern auszuliefern 2 . Zusammenfassendläfst sich die Lage Europas mit den Worten Pescheis 3 treffendalso kennzeichnen: „Die Verteilung der Metallausbeute unter die
Völker ist seit den ältesten historischen Zeiten nach eigenen Regelnvor sich gegangen. Die Kultur drang beständig nach Westen,Gold und Silber flofs immer ostwärts, und zwar mufsten die Me-talle ihre Richtung gen Osten nehmen, weil die Kultur von dortgekommen war.“ Die Folge all dieser Vorgänge war nun begreif-licherweise zunächst eine fühlbar zunehmende Geldknappheit inEuropa gegen den Ausgang des Mittelalters (von Italien wohl ab-gesehen, wo die Reaktionsbewegung schon eingesetzt hatte), eineErscheinung, die in der durchgehends konstatierten Steigerung derKaufkraft des Silbers jener Zeit zum deutlichsten Ausdruckkommt 4 .
Und als Gegenstück dazu: der märchenhafte Reichtum angemünztem und ungemünztem Gold undSilber imbyzantinischen und arabischen Weltreich während desMittelalters. Was wir an Schilderungen über den Luxus, die
’ „Germania . . . weicht ... an Reichtiimern aller Metalle keinem Erd-reich; denn alle, welsche, gallische, hispanische und andere Nationen habenschier alles Silber aus den deutschen Kaufleuten.“ Buch der Chroniken (1493)bei Janssen 1, 419.
2 Die Barausfuhr an Edelmetall aus Venedig nach Alexandrien betrugim .15. Jahrhundert jährlich 300 000 Duk. Gutachten des venetianisclien Bot-schafters Trevisano im Journal Asiatique. Tome IV (1829) pag. 23 quest. XI,cit. bei Peschei, 28.
s O. Peschei, Histor. Erörterungen über die Schwankungen der Wert-relationen zwischen den edlen Metallen und den übrigen Handelsgütern, inder Deutschen Vierteljahrsschrift 1853. 4. Heft. S. 35.
4 Diese konnte sich in einer Preissenkung äufsern, war aber auch, wiedie Erfahrung lehrt, oft genug vereinbar mit einer Stabilität der Preise,falls nämlich der Steigerung des Silberwertes eine Münzverschlechterungparallel ging. Siehe die Belege bei D’Avenel, Hist. econ. 1 (1894), 24 fLeber, Fortune privee, 16/17. Lamprecht 2, 619 ff. Hanauer, Etudesecon. sur l’Alsaee 2, 604 ff.; ferner die Schriften über die päpstlichen Fi-nanzen. Vgl. Inama-Sternegg, Die Goldwährung im Deutschen Reichwährend des Mittelalters, in der Zeitschr. f. Soc.- u. W.G. Bd. III, undG. Wiebe, Zur Geschichte der Preisrevolution im 16. und 17. Jahrhundert(1895), 60 ff. Der sicherste Beweis für die zunehmende Knappheit der Edel-metalle ist die schon erwähnte restriktive Politik aller Staaten und Städtedes Mittelalters in Bezug auf den Handel mit Gold und Silber.