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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
mals bedeutete es daher einen ungeheuren Zuwachs an Gold, dessenEuropa teilhaftig wurde, als die europäischen Eroberer erst zu denGoldstätten des Senegalgebietes und alsbald auch zu den reichenFundstätten Ostafrikas an der Küste von Sofala gelangten.
Dafs eine ziffernmäfsige Erfassung der Goldeinfuhrmengen injenen entlegenen Zeiträumen kaum möglich ist, haben alle Sach-kenner zugegeben. Denn wenn man selbst das „produzierte“ Metallannähernd richtig ermitteln könnte, so würde sich die Menge desgestohlenen Goldes und Silbers doch jeder Feststellung entziehen.Unter diesem Vorbehalte mögen die Ziffern hier Platz finden, dieSoetbeer für die Goldausfuhr aus Afrika annimmt. Diese betrugnach Meinung dieses ausgezeichneten Gelehrten im Durchschnittpro Jahr in den Perioden:
1493-1520 . . . 3000 kg oder 8370 000 Mk.,
1521—1544 . . . 2500 - - 6 975 000 -
1545—1600 . . . 2000 - - 5 580000 -
1601—1700 . . . 2000 - - 5 580 000 -
Die Goldausfuhr aus Japan nach Europa schätzt Lexis fürdie zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts auf 300 Mill. und im 17. Jahr-hundert auf 400 Mill. Mk. Dazu kämen dann noch die aus denportugiesischen Besitzungen in Asien gezogenen Mengen, für diejeglicher Anhalt zur Berechnung fehlt 1 .
Und nun Amerika! Sie aber traten ein in den Tempel, derden Namen Coricancha, zu deutsch „ der Goldort“ trug. Auf derwestlichen Wand war die Gottheit bildlich dargestellt, ein mensch-liches Gesicht, aus unzähligen Lichtstrahlen hervorblickend, dienach allen Richtungen von ihm ausliefen, so wie die Sonne beiuns oft bildlich dargestellt wird. Die Figur aber war auf einergediegenen und dicht mit Smaragden und Edelsteinen besäeten Gold-platte von ungeheurem Umfange eingegraben. Sie war dem grofsen
1 Alle diese Ziffern stellen m. E. nur ein Minimum dar, was sich ausden obigen Erwägungen ergiebt. Dafs insbesondere die afrikanische Aus-beute viel beträchtlicher gewesen ist, als sie Soetbeer ansetzt, steht fürmich aufser Zweifel. Gewifs hätte auch Soetbeer einen höheren Betragangenommen, wenn ihm die Angabe des Thome Lopez über die Erträg-nisse der Sofala -Minen bekannt gewesen wäre. Diese wurden, als die Portu-giesen daselbst eintrafen, bereits auf 2 Mill. Mitkal (zu l 1 /s Dukaten also etwa24 Mill. Mk.) pro Jahr geschätzt. Sicher aber haben dann die Europäer mehrAusbeute erzielt als die Araber. Th. Lopez, Navigatione verso le Indieorientali (1502) bei Bamusio 1, 134C. Damit in Übereinstimmung steht dieAngabe, die uns Saalfeld, Portug . Kol., 174, auf Grund anderer Quellenmacht, wonach die Ausbeute l'/a Mill. £ betragen haben soll.