Dreizehntes Kapitel. Die Kolonialwirtschaft. :j(|5
Gouverneur Walckenier (1737 —1741) brachte bei seiner Rückkehrnach Europa 5 Mill. Gulden heim, die er gestohlen hatte h
Das Plünderungssystem der vordringenden Europäer hattenatürlich um so mehr Erfolg, je reicher ein Gebiet an Edelmetallenwar, die entweder schon von den Eingeborenen gewonnen warenoder nun von ihnen zu Tage gefördert werden mufsten. Es erwiessich aber, dafs sowohl das asiatische Festland als namentlich dieasiatische Inselwelt aufserordentlich reich an Goldwaren, als die Portugiesen sich daselbst festsetzten. Diese Tliat-sache ist heute so sehr in Vergessenheit geraten, dafs unsere erstenSpecialisten der Edelmetallstatistik des asiatischen Goldes nicht ein-mal Erwähnung thun 1 2 3 . Und doch müssen während des IG. Jahr-hunderts grofse Mengen Goldes von den Portugiesen aus ihrenasiatischen Besitzungen herausgeholt sein, wenn sich so reiche Ge-biete so rasch erschöpfen konnten. Denn offenbar waren jene In-seln um 1500 noch Goldländer ersten Ranges, obwohl wir ver-folgen können, wie die Araber damals bereits an alle Stellen derGoldproduktion vorgedrungen waren und offenbar das ganze Mittel-alter hindurch Gold aus jenen Ländern herausgezogen hatten 8 .
Aber es scheint, als ob die arabische Herrschaft für die Er-schöpfung eines Gebietes an Edelmetallen nicht annähernd so ver-hängnisvoll gewesen sei, als diejenige der goldsüchtigen Europäer:wozu jene Jahrhunderte gebraucht hatten, das vollbrachten diese inJahrzehnten.
Gilt dies für die Goldländer Asiens, so gilt es nicht minder fürdie goldreichen Gebiete Afrikas 4 . Auch diese, deren esdrei giebt, waren während des Mittelalters lange Zeiträume hindurchvon den Arabern genutzt worden, ohne jedoch auch nur annähernderschöpft zu sein, als die Portugiesen zu ihnen vordrangen. Aber-
1 P. Leroy-Beaulieu, De la colonisation 4, 73. Neuere Zittern beiBokemeyer, 279 f. Vgl. auch oben S. 355.
2 Weder bei Soetbeer (Petermanns Erg.-Heft 57) noch bei E. Suess ,Die Zukunft des Goldes (1877) findet Asien als Goldland Berücksichtigung.Aber auch Del Mar in seiner History of the Precious Metals (1880) kenntnur Japan als Goldquelle. Dasselbe gilt von Lexis (Art. „Gold“ im H.St. 2 ).
3 Vgl. den Exkurs. Möglicherweise hat auch schon das Altertum einengrofsen Teil seines Goldes aus diesen südasiatischen Gebieten bezogen, wäh-rend allerdings die Hauptausbeute an Gold damals in Centralasien stattfand.Vgl. A. von Humboldt, Über die Schwankungen der Goldproduktion etc.,in der Deutschen Vierteljahrschrift Heft IV (1838).
4 Vgl. Exkurs.