Dreizehntes Kapitel. Die Koloniahvirtschaft.
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unserem Gelde. Das sind die Ziffern, von denen man erfährt.Welche ungeheuren Beträge müssen aufserdem den Eroberern imkleinen von Raub zu Raub, von Diebstahl zu Diebstahl zur Beutegefallen sein h
Die zweite Form der Aneignung bereits vorhandenen Edel-metallvorrats war die Besteuerung, Tributerhebung etc.,von der auch die Eroberer Amerikas weitestgehenden Gebrauchmachten. Die Privatpersonen erhielten hieran den entsprechendenAnteil durch Besoldungen, oder sie wurden unmittelbar mit denEinkünften gröfserer Gebiete belehnt. Die Güter, mit denen diespanischen Offiziere in Peru belehnt wurden, sollen bis zu 150000und 200000 Pesos jährlich eingetragen haben 1 2 3 . Die Familie Cortezerhielt als Marquesado das Thal von Oaxaca mit einer Bevölkerungvon 17 700 Einwohnern 3 , die zu Cortez’ Zeiten 60000 DukatenAbgaben zu entrichten hatten. Der Gouverneur der portugiesischenKolonie Mozambique hatte gewöhnlich nach Beendigung seiner drei-jährigen Regierung einen Gewinn von 300000 Crusados 4 5 .
Aber was auf diesem Wege an Gold und Silber nach Europa abgeflossen ist, entzieht sich erst gar völlig der ziffernmäfsigenFeststellung, so dafs sich diese im wesentlichen auf die Ausbeuteder Minen zu beschränken pflegt. Über diese besitzen wir inder That ein verhältnismäfsig zuverlässiges Material, das wir vorallem fiskalischen Interessen verdanken®.
1 Man mufs die Schilderungen bei den Herrera, Xerez, Gomara, ausdenen uns Prescott, Help u. a. Auszüge mitteilen, im Original lesen, umsich einen Begriff von dem wirklich raubtiermäfsigen Verhalten der Erobererzu machen. Die Eingeborenen mufsten ihnen helfen, wenn sie die Gebäudeihres Gold- und Silberschmuckes beraubten; und ging es ihnen nicht raschgenug von der Hand, so wurden die Spanier unwillig (Prescott, Peru 1,349). Beim Eintritt in Cuzko wie in jeder anderen Stadt sehen wir sie überdie Tempel herfallen, die sie ausplündern, die Gräber öffnen, um den Mumiendie Schmucksachen abzunehmen. „Die habgierigen Eroberer liefsen keinen Ortundurchsucht, und so stiefsen sie zuweilen auf einen Schatz, der der Mühelohnte“ (397). An ihre Fersen heftete sich die Öde. Der Platz, wo derTempel der Sonnenjungfrauen gestanden hatte, „war nach Verlauf von wenigerals 50 Jahren nach der Eroberung nur noch an ungeheuren Trümmermassenzu erkennen, die den Boden bedeckten“ (215): das wird das Bild gewesen sein,das allgemein die Länder boten.
2 lfoscher, a. a. O. (Citat stimmt nicht). Nach Herrera, Dec. VII.t). 3 waren die Güter des Gonzalo Pizarro einträglicher als das Bistum Toledo.
3 Humboldt, Essai 2, 191.
4 Saalfeld, Portug . Kol., 174.
5 Es ist in musterhafter Weise in der öfters angezogenen Abhandlung