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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Sechzehntes Kapitel. Richtung u. Gang d. urwüchsig, kap. Produktion. 403

auch Ott Ruland schon macht, oder in Garn. Damit ist der Grundfür eine selbständige kapitalistische Unternehmung gelegt. Schonim 14. Jahrhundert lassen die Florentiner Händler in Flandernund Brabant für ihre Rechnung rohe Tücher wehen 1 . Und umdieselbe Zeit beobachten wir die Umbildung der handwerksmäfsigbetriebenen Textilgewerbe zu Genua, Venedig, Florenz in Haus-industrie 2 . Im 15. Jahrhundert kaufen Kaufleute und rührigeStubengenossen in Basel Baumwolle und lassen sie von dem bisherals Lohnwerker thätigen Leinenweber zu Schürlitz verarbeiten, densie dann mit grofsem Nutzen in den Handel bringen 3 .

Im 16. Jahrhundert arbeiten in dieser Weise in Deutschland für die Fugger schon ganze Landstriche, deren Einwohnerscheinbar Hörige der Verleger sind 4 . Die gröfseren Handelshäuserstellen nun bereits für diese Seite des Geschäfts den Verlag eigene Beamte,Faktoren an. Wir sind darüber genauerunterrichtet, da uns das Geheimbuch einer solchen Firma desHandelshauses Idaug und Link überkommen ist. Wir wissen,dafs dieses Haus im Jahre 1533 für 3612 fl. Barchent zur Zeitder Abrechnung auf der Bleiche hatte: in demselben Jahre wurden177 Weber namhaft gemacht, die mit 4000 fl. für gelieferte Roh-stoffe verpflichtet waren 5 6 .

Auch die Buchdruckerei scheint anfangs oft genug in derWeise betrieben zu sein, dafs handwerksmäfsigen Druckern die er-forderlichen Mittel von wohlhabenden Geldgebern vorgeschossenwurden, hat sich ja das Wort Verleger gerade in der Buchher-stellung bis in die neuere Zeit als Bezeichnung für den eigent-lichen Unternehmer erhalten. In den Anfängen galt die neueKunst denen, die sie ausübten, vielfach überhaupt garnicht als einegewerbliche Thätigkeit schlechthin, sondern eher als ein Rüstzeugder Wissenschaft, als Mittel der humanistischen Propaganda. VieleDrucker hatten studiert; sie waren denn auch durchdrungenvon dem Bewufstsein, an einer grofsen Kulturaufgabe derMenschheit zu arbeiten. Der Baseler Johann Amerbach will non

1 i panni di Fiandra e di Brabante, che si facevano fabbricare danostri mercanti medesimi. Deila decima 3, 98 f.

2 Vgl. die Schriften von Sieveking, Broglio d Ajano, Doren.

8 Geering, 262.

4 C. Jäger, 648.Fugger . . hatte den Webern seiner Herrschaft be-

fohlen . .

6 J. Hartung, Aus dem Geheimbuch eines deutschen Handelshausesim 16. Jahrli., in der Zeitschrift für Soc.- und Wirtsch.Gesch. 4, 56.

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