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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

4000 Spinnerinnen hatten *. 1515 begegnen wir bereits Seiden-

manufakturen grofsen Stils in Ulm 1 2 .

Aber auch andere wichtige Industriezweige wie namentlich dieMontanindustrie drängten, unter dem Einflufs der zunehmen-den kapitalistischen Organisation, dank der Fortschritte der Technikseit dem 16. Jahrhundert mächtig zum Grofsbetriebe. In wachsen-dem Mafse erforderte der Erzbergbau Wasserkunst und Stollen-anlagen und damit eine Ausweitung der Betriebe 3 . Gar aber erstdie Eisenindustrie erlebte um die Wende des fünfzehnten Jahr-hunderts eine grundstürzende Revolution. Schon im späterenMittelalter hatte man angefangen, die Wasserkraft zur Bewegungvon Stampfwerken, Hämmern und Blasebälgen zu benutzen 4 unddamit den grofsen Umschwung vorbereitet, der nun im sechszehntenJahrhundert seinen einstweiligen Abschlufs fand in den verbesser-ten Vorrichtungen zur Aufbereitung der Erze durch das Schlemmver-fahren und Nafszechen, vor allem aber in der Vollendung des mitseinen Anfängen bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts zurück-reichenden Hochofens 5 . Der Hochofen steht auf der Grenzscheidezwischen der Technik des Mittelalters und der Neuzeit; zwischender Stückeisenbereitung durch Feuer und Hammer und der Roh-

1 Alidosi, instruttione delle cose notabili di Bologna (1621), 37. Dadie Beschreibung Alidosis die älteste mir bekannt gewordene Erwähnungmoderner gewerblicher Grofsbetriebe enthält und sie bisher unbeachtet ge-blieben ist, setze ich die Stelle im Wortlaute hierher:Sono certe machinegrandi, le quali mosse da un piccolo canaletto d aqua di Ueno fanno cias-cuna di loro con molta prestezza Pilare, Torzere ed addoppiare quattro millalila di Seta, operando in un istante quel, che farebbono quattromila Filatricie quell acqua ha proprietä di fare la Seta buona e vaga e lavorano ognanno centottanta milla libre di Seta, cio6 centomilla di forestiera, e ottanta-milla di nostrana con la seta doppia, e secondo, che n6 abbondanza. E lapiü antica memoria che di questi trovata 6 stata dell anno 1341 ä 23 guigno,che la cittä concesse licenza Bolognino di Barghesano da Luca, habitantein Bologna , nella Capella di S. Lucia di potere construere un filatoio da setanella capella di S. Biagio sopra il fossato presso le mura della Cittä. Et nel1345 fu fatto un decreto, che Giovanni Oreto della Capella di S. Colombanopotesse havere acqua per un filatoio da seta nel borgo Polecino. Für dasJahr 1371 führt A. (S. 38) dann 13filatogli di seta auf, die alle der Kom-mune gehören und an Unternehmer verpachtet sind.

2 Carl Jäger, 649.

3 Vgl. die cit. Werke von Steinbeck (Schlesien), Gothein (Schwarz-wald ), Sc hm oll er u. a.

* Beck, Geschichte des rfisens 1 (1884), 754.

3 Bneh der Erfindungen (1901), 180.