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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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405
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Sechzehntes Kapitel. Kichtung u. Gang d. urwüchsig, kap. Produktion. 40. r )

der Manufaktur bedient und somit den Arbeitsprozefs umzu-bilden beginnt. Gerade die Buchdruckerei ist zweifellos sehr baldauch in Grofsbetrieben auf kapitalistischer Basis entwickelt worden.Was wir von den Kobergers wissen, läfst darauf schliefsen, dafsder Betrieb, den sie Ende des 15. Jahrhunderts in Nürnberg er-richteten und in dem mit 24 Pressen und über 100Gesellen alsSetzern, Korrektoren, Druckern, Buchbindern, Posselierern und Illu-ministen gearbeitet wurde, nichts anderes als eine wohlorganisiertekapitalistische Manufaktur gewesen ist, eine Annahme, die in derfür die damalige Zeit durchaus neuartigen Stellung der Hilfskräftezu dem Leiter der Druckerei ihre Bestätigung findet. Neu-dörffer 1 , dem wir jene Angaben über den Kobergerschen Be-trieb verdanken, fügt seinem Bericht die Bemerkung hinzu:diesealle (Gesellen) verkoste er an anderen Orten, sie hatten eine ge-wisse Stunde von und zu der Arbeit zu gehen, liefs keinen ohneden andern in das Haus, so auf dem S. Gilgenhof war, sondernmufsten einer des andern vor der Hausthür warten 2 3 * * * * . Parallel derBuchdruckerei entwickelt sich die kapitalistische P api erf ab ri-kation, anfangs freilich noch in ganz bescheidenem Betriebs-umfange, allmählich jedoch die Betriebe ausgestaltend 8 .

Aber schon viel früher scheinen sich die grofse Manufaktur odergar die Fabrik als Betriebsformen der kapitalistischen Unter-nehmung in der Textilindustrie herausgebildet zu haben.Zwar wissen wir jetzt, dafs die sechs- und siebenstöckigen Häuser,die Lukas Rem in Genua bewunderte und in denen man Fabrik-gebäude vermutete, nur Wohnhäuser gewesen sind, wohl aberscheint in anderen italienischen Städten sich der Grofsbetriebwenigstens für die Spinnerei vorgefunden zu haben. Im Jahre 1341soll es in Bologna grofse Spinnereien gegeben haben, die durchWasserkraft getrieben wurden und die einen Produktionseffekt von

1 Neudörffer, Nachrichten von den vornehmsten Künstlern und Werk-leuten so in Nürnberg gelebt haben. 1546/47. Herausgegeben von F. Campe,1828. S. 56 f.

a 0. Hase, a. a. 0., 54/55.

3 Die Papiermühle Ulman Stromers in Nürnberg im 14. Jahrhundert

wurde mit drei Stampfwerken betrieben; Chron. d. St. 1, 4. 77 f. Die Halb-

isenschen Papiermühlen in Basel waren noch im 15. Jahrhundert Betriebe

mit sechs Knechten, die der Galliziani ebensolche. Geering, 287 f., 313 f.

Die entscheidende Revolutionierung der Betriebsorganisation in der Papier-

industrie datiert erst vom Jahre 1670, d. h. seit Erfindung desHolländers.Vgl. Buch der Erfindungen, 679. Für die frühere Zeit vgl. auch Hase, 62 ff.