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Sodann aber dürfen wir nicht vergessen, dafs es sich immer nochum Zeiten handelte, in denen die terra libera noch fast nirgendsverschwunden war. Wenn nicht in den Heimatländern, so bot sichden überschüssigen Existenzen in den Kolonialgebieten ein weitesFeld zu freier Thätigkeit. Insofern wirkt jede koloniale Erweite-rung des Nahrungsspielraums eines Volkes zunächst als Hemmnisder kapitalistischen Entwicklung, weil durch sie der Arbeits-kraft Gelegenheit geboten wird, dem Nexus des kapitalistischen Unternehmers zu entkommen. Den Trofs der Welsercxpedition(1526) bildeten Hundeführer und Pferdewärter, Barbiere, Zimmer-leute, Schuster, Schmiede, Steckenknechte, Profosse, Bergknappenetc. 1 * . Unter den ersten Ansiedlern der französischen Antillen sinddes gens sans ressources, domestiques sans place, compagnons sanstravail ou dögoutes de ne pouvoir devenir maitres, paysans las dela corvöe etc. 3 .
Im Verlauf der frühkapitalistischen Periode nehmen die derBevölkerungsvermehrung entgegenstehenden Hemmnisse dann mehrund mehr an Stärke ab. Die „grofsen Sterben“ wei’den seltener,auch die Hungersnöte verlieren ihren akuten Charakter, vor allemdie Kriege üben nicht mehr die verheerende Wirkung wie früheraus. In England tritt, wie wir schon sahen, der Zeitpunkt raschererBevölkerungszunahme bereits im 17. Jahrhundert ein; eine Folgeder längeren Friedenszeiten und einer der Hauptgründe, weshalbder Kapitalismus in England um 50—100 Jahre dem kontinentalenvorauseilt. Auf dem europäischen Festlande datiert der entscheidendeUmschwung erst' seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts, insonder-heit seit dem Ende der napoleonischen Kriege. Damals schlägt miteinem Male die Bevölkerungszunahme ein früher nie dagewesenesTempo ein und schwellt die Bevölkerung namentlich auf demplatten Lande dermafsen an, dafs trotz noch immer starken Ab-stroms in die Kolonialgebiete doch sehr bald ein Überangebot vonArbeitskräften entsteht 3 . Dieses ist, wie noch genauer zu zeigen sein
1 Herrn. A. Schuhmacher, Die Unternehmungen der Augsburger
Welser, 41. 43.
3 L. Peytraud, L’esclavage aux Antilles frangaises, 13/14.
3 Es konnte sich bei dieser kurzen Skizze selbstverständlich nur umdie Hervorkehrung der allgemeinsten Züge der Entwicklung handeln. Imeinzelnen ergeben sich natürlich Unterschiedlichkeiten von Land zu Land.Es mag hier wenigstens des einen Falles Erwähnung geschehen, in dem eineAbweichung von dem Gange der Durchschnittsentwicklung stattfand: derEinwirkung der Religionsverfolgungen auf die Gestaltung des Arbeitsmarktes.