Achtzehntes Kapitel. Das Herrschaftsgebiet d. gcwcrbl. Kapitalismus . 429
sich die Durchschnittsspinclelzahl in einer Fabrik erst auf ca. 3600 k„Die sächsische Baumwollspinnerei litt, wie die gesamte Baumwoll-spinnerei jener Zeit, an der Unvollkommenheit ihrer technischenEinrichtung und Leitung 1 2 .“ Im Aachener Bezirk wurde „in den1840er Jahren die Mulejenny eingeführt und die Spinnerei erhobsich (nun erst) während zweier Jahrzehnte zu voller Konkurrenz-fähigkeit“ 3 . Im Giladbacher Industrierevier „richtete man imJahre 1845 die erste mechanische Spinnerei ein“ 4 . Die 55 mecha-nischen Spinnereien, die 1843 im Reg.-Bez. Düsseldorf gezählt wurden,hatten nach der amtlichen Statistik zusammen Maschinen mit6G4V2 Pferdekraft, d. h. jede durchschnittlich etwa 12 Pferdekräfte 5 6 .
Die in der gesamten Industrie dominierende Betriebs-form ist aber noch immer die Hausindustrie. Für die Webereiergiebt sich das ebenfalls schon aus den mitgeteilten Ziffern: neben217388 Webstühlen in „Anstalten“ noch 585 835 zu Hause! 0 DerKampf der Fabrik mit der hausindustriellen Weberei beginnt geradein jenem entscheidungsvollen fünften Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts,in dem wir Umschau halten, und ist sogar für die Spinnerei nochnicht völlig beendigt 7 . Alle jene zahlreichen Industrien Süddeutsch-
1 von Reden, 1. c. 3 (1854), 1648.
2 R. Martin, Der wirtschaftliche Aufschwung der Baumwollspinnereiim Königreich Sachsen, in Schmollers Jahrbuch XVII (1893), S. 648.
8 A. Thun, Industrie am Niederrhein 1 (1879), 23.
4 A. Thun, a. a. 0. S. 160.
6 Vgl. auch Banfield, 1. c. 2, 232 seq.
6 Mitteilungen des stat. Bureaus in Berlin IV (1851), 252 ff.
7 Vgl. z. B. für Sachsen: Robert Heym, Maschinen oder Handarbeit?(1848): „im Augenblick liegt die Hausindustrie mit dem fabrikmiifsigen Be-triebe der Weberei im Kampfe“ (S. 44). Dasselbe gilt für Schlesien , nurdafs liier die Entwicklung vielleicht noch etwas rückständiger war alsim Westen und Süden Deutschlands . Mitte der 1840er Jahre wurden diemechanischen Fabriken für Weberei und sogar für Spinnerei noch als schäd-liche Eindringlinge angesehen und z. B. die Vorzüglichkeit des Hand-gespinstes in der Leinenindustrie noch mit Wärme vertreten. Zu ver-gleichen: Treumund Welp (Ed. Pelz), Über den Einflufs der Fabrikenund Manufakturen in Schlesien . 1. Brief: Die Gebirgsdistrikte 1843, S. 7 ff.;2. Brief: Polemisches. 1844 ff., S. 29 ff. A. Krocker, Schlesiens Zustände.Seine Vergangenheit, seine Gegenwart, seine Zukunft. In Beilage zu Nr. 78der „Schlesischen Zeitung“ (vom 1. IV. 1849). Alexander Schneer, Überdie Not der Leinenarbeiter in Schlesien und die Mittel, ihr abzuhelfen. 1844.S. 8f., 193 f. A. Rüfin, Die deutsche Flachszucht und ihre Verbesserung.1846. S. 13 ff. Derselbe, Der Flachsbau und die Flachsbereitung in Deutsch-land. 1853. S. 37 ff. Im übrigen ist, was die Textilindustrie betrifft, auf die er-schöpfenden Untersuchungen und Nachweise Schmollers in den einschlägigen