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selten gegen einen Mahllohn in bar, verrichtet der Müller seineArbeit. Das Mehl wird entweder im eigenen Hausbackofen ver-backen *, oder der Brotteig wird daheim zubereitet und dem Bäckerim Dorf zur Fertigung übergeben * 1 2 , oder dieser erhält das Mehl,mufs dafür eine bestimmte Anzahl Brote zurückliefern und be-kommt für jedes Brot ein paar Pfennige Backgeld 3 .
Der Wohnungsbedarf ist gering. Noch dominieren dasLehm- und das Holzhaus neben dem Fachwerkhaus, mit dem Stroh-dach oder mit Schindeln gedeckt 4 . Neubauten sind naturgemäfs
„Seit den vierziger Jahren sind in (der Provinz) Posen die Dampfmühlenheimisch geworden“ . . Jedoch „noch in den siebziger Jahren mufsten sieihre Nebenprodukte, also Weizenschale und Kleie, nach England und Däne-mark versenden; in der Heimat fanden diese Erzeugnisse nur geringen Ab-satz“. Bol. von Brodnicki, Beiträge zur Entwicklung der Landwirtschaftin der Provinz Posen während der Jahre 1815—1890. (1893.) S. 96. Fürdas Altenburgische wird aus den 1840er Jahren berichtet: „Auch in derVerbesserung des Mühlen Wesens machte man Fortschritte. Viele Wind-mühlen wurden nach holländischer Art konstruiert . . Im Amte Altenburg kommt auf . . 642,5 Menschen je eine Mühle. Gewöhnlich genügen dieseMühlen für den Bedarf der Bevölkerung; in trockenen Sommern reichen siejedoch notorisch nicht aus, sondern man mufs die Mühlen an der Elster undMulde aufsuchen (!). Im Durchschnitt hat jede Mühle im Amte Altenburg etwa 1870,3 Scheffel Getreide aller Art zu mahlen oder zu schroten.“ W. Lobe,Geschichte der Landwirtschaft im Altenburgischen Osterlande. 1845. S. 213.Unser englischer Gewährsmann schildert die Dorfmühlen in dem von ihm durch-wanderten Gebiet ganz in der angegebenen Weise und fügt zur Erklärunghinzu: „it is still usual, all over Germany for peasants to grind their owncorn“. T. C. Banfield, 1. c. 1, 89.
1 U. V, 37 (Gahlenz bis 1866); VIII, 67. „In hiesiger Gegend war es . .hergebracht, dafs der Colon (Grofsbauer) dem Heuermann das Brot mit backenliefs, wofür dieser dann beim Braken des Flachses, beim Kohlpflanzen undbeim Wachen wieder Dienste leistete.“ G. L. W. Funke, Über die gegen-wärtige Lage der Heuerleute im Fürstentum Osnabrück etc. 1847. S. 36.
2 U. VIII, 47.
8 U. VII, 580.
4 Über die Beschaffenheit der ländlichen Gebäude in verschiedenenpreufsischen Provinzen um jene Zeit geben uns die Ziffern der Versicherungs-gesellschaften einigen Aufschlufs. So betrug (1841) der Schätzungswert beider landschaftlichen Feuersocietät für Ostpreufsen der Gebäude in Klasse I(Gebäude mit ganz feuerfesten Umfassungsmauern einschliefslich Lehm-wänden) 1943 230 Thlr. ; in Klasse II (nicht massive Gebäude mit feuerfestemDach) 2 990500 Thlr. ; in Klasse III (alle übrigen Gebäude, ausschliefslichbesonders feuergefährlicher) 7 585 050 Thlr . — In der hinterpommerschenLandfeuersocietät belief sich (1843) die gesamte Versicherungssumme auf29 790 900 Thlr.; davon entfielen auf nicht massive oder mit Kohr, Holz, Strohoder Schindeln gedeckte Gebäude 22 786 575 Thlr. „Die Gebäulichkeiten ...