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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.

niert, z. B. im Nordwesten Deutschlands , ist es üblich, die Wollefür die eigene Kleidung zu verwenden.

Den Flachs bringt man, wo man es nicht vorzieht, ihn selbstzu hecheln, zum Seiler, der das Hecheln gegen Lohn besorgt 1 ;andernfalls kommt der Weber ins Haus, um zu hecheln 2 . DieWolle wird dem Wollkämmer übergeben oder selbst zum Spinnenzubereitet 8 . Nun geht es an die weitere Verarbeitung: die Spinn-stube des Dorfes, die oft besungene, oft geschmähte, ist der Ort,wo ein grofser Teil des Flachses oder der Wolle seiner Bestimmungweiter zugeführt wird 4 . Das Gespinst wandert auf den eigenenWebstuhl im Bauernhause, wo dieser fehlt, zum Dorfweber, der

im Kreise

des überhaupt geerntetenFlachses

zu eigener Konsumtionbenutzt

Mühlhausen ....

1617 000 Schock

alles

Weii'sensee ....

6184 Ctr.

5468

Worbis.

3062 -

2439

Langensalza. . . .

5175 -

4305

lieihgenstadt . . .

8000 -

etwa V 2

Ziegenrück ....

400 -

300

Neuhaldensleben . .

54 -

alles

Vgl. Meitzen, Der Boden etc. 2, 416. Im Grofsherzogtum Baden wurdenmit Lein bestellt noch im Jahre 1856 = 3008 Morgen; 1859 = 2092 Morgen.Der Leinbau ist über das ganze Land verbreitet, heilst es in einer zeit-genössischen Schilderung der badischen Landwirtschaft,beschränkt sich jedochauf das Erzeugnis des eigenen Bedarfs und genügt diesem nicht einmal, danoch viel Lein und Werg (Kuder) eingeführt wird. Festschrift für dieMitglieder der XXI. Versammlung deutscher Land- und Forstwirte. 1860.S. 151 u. 159.

1 U. VI, 180eine der hauptsächlichsten und lohnendsten Arbeiten bil-dete für die Seiler vielerorts das Hecheln des Bauernflachses, den die Frauenund Mägde verspannen.

2 U. VIII, 122.

8Das Gewerbe der Wollkämmer, welches früher sehr schwunghaft be-trieben wurde, ist jetzt, obwohl noch 105 Personen (103 auf den Dörfern) mitvielen Gehülfen sich damit beschäftigen, doch um vieles geringer. Meist wirddie Wollkämmerei mehr als ein Nebengewerbe der Landleute, von den meistennur während eines Teils des Jahres betrieben. W. Lobe, Geschichte derLandwirtschaft im Altenburgischen Osterlande. 1845. S. 214. Hier wird Haus-industrie, Hausgewerbe und Lohnhandwerk durcheinander gehen.

4 Uber die Spinnstuben und ihre Poesie vgl. K. Bücher, Entstehungder Volksw. 2. Aufl. S. 260 ff., und Arbeit und Rhythmus. 2. Aufl. (1899)S. 95 ff. Daselbst auch weitere Litteratur. Wie um die Mitte des Jahr-hunderts die Einrichtung in einzelnen Gegenden noch unverändert sich er-halten hatte, zeigen z. B. die von Bücher (Arbeit und Rhythmus, 96) citiertenAusführungen von Haupt und Schmaler, Volkslieder der Wenden in der