Neunzehntes Kapitel. Das vorkapitalistische Gewerbewesen. 451
anderes verfügten als ihrer Hände Arbeit, und deren Fertigkeit undFachkenntnisse nur bescheidenen Anforderungen genügten. Selbstganze Häute einzukaufen, war ihnen nicht möglich. Darum legtensie sich hauptsächlich auf Reparaturen, oder sie versuchten, fürBudenmeister zu arbeiten. Das für diese Alleinarbeiter aus ökono-mischen Gründen äufserst erstrebenswerte Ziel, Neuarbeit aufPrivatbestellung anzufertigen, wird ihnen allmählich ermöglichtdurch die langsam auf kommenden Lederausschnitthandlungen, dieihnen das Leder, das sie gerade zu einem Paar Schuhe brauchten,natürlich unter erklecklichem Kostenaufschlag verkauften. 1840giebt es bereits 222 solcher Händler in der Stadt, woraus zu er-sehen, dafs sie bereits eine lange Entwicklung hinter sich haben.Hervorgegangen sind diese Geschäfte aus kleinen Lederhand-lungen, die sich durch das Ausschneiden und dadurch, dafs sienebenbei fast alle Schuhmacherbedarfsartikel, als Leisten, Pech,Draht, Strippen etc. in kleinsten Quantitäten abgaben, einenKundenkreis erwarben, für den dieses Detailverkaufen gröfserenWert hatte als die billigeren Preise im Engros-Geschäft.
3. Die Werkstattmeister. In der Mitte zwischen Alleinarbeiterund Magazinmeister steht in vielen socialen Abstufungen der alteTypus des Handwerkermeisters, der einige Rollen der gangbarstenLedersorten sich im Hause hält, höchstens 2 Gesellen, meist abernur Lehrjungen hat und für einen bestimmten Kundenkreis aufBestellung solide Mittelware herstellt, namentlich auch Reparaturenbesorgt. Hat er viel Arbeit, so fällt wohl auch etwas für denHeimarbeiter mit ab. Diese Art des Betriebes ist durchaus vor-herrschend, und an letzter Stelle ist sie nur erwähnt, um auf siemit grofsem Nachdruck hinweisen zu können. Denn das Absatz-gebiet dieser Meister ist es, um das am heftigsten in neuerer Zeitgestritten wird, oder vielleicht schon gestritten wurde.
Für klein- und mittelstädtische Verhältnisse haben wir unsnatürlich nur die zweite und dritte Kategorie Schuhmacher alstypisch vorzustellen.
Neben der handwerksmäfsigen Schusterei scheinen dann aberschon Ansätze der kapitalistischen Schuhwarenherstel-lung vorhanden gewesen zu sein.
Über die Besitzer von Buden fertiger Schuhmacherarbeit, dieviele Schuster in der Stadt und Umgegend beschäftigen, weifs unsHoffmann schon zu erzählen 1 . Ein zeitgenössischer Bericht aber
1 Hoffmann, Befugnis, 396.
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