452
über die Lage der Schuhmacher in Elberfeld und Barmen 1 meintgeradezu: „Die meisten (!) Schuhe und Stiefeln -werden nicht imWupperthale gefertigt, und reiche wie arme Leute kaufen ihrenBedarf an Schuhen und Stiefeln grofsenteils in Kaufläden“ —, undfügt hinzu: „was hier diesem, wie jedem (!) andern Gewerbe denRuin bereitet“, ist (aufser dem Borgs}stem) die liberale Gewerbe-freiheit, „in welchem die einzelnen Handwerker nicht mehr gegendie Fabriken . . auf kommen können“.
Das sind natürlich mafslose Übertreibungen.
Was wir au positivem ZifFernmaterial besitzen, läfst das er-kennen. Denn was will es heifsen, dafs Erfurt „die bedeutendsteSchuhmacherstadt Preufsens“ (neben Ivalau) im Jahre 1849 5 Schuh-machergrofsbetriebe mit zusammen 148 Personen aufwies 2 undähnliche Ziffern uns für Mainz und Frankfurt a. M. überliefertwerden 3 4 . Doch nur, dafs es sich einstweilen noch um bescheideneAnfänge handelte, von denen man als von etwas Unerhörtem be-sonders grofses Aufheben machte. Die Rückständigkeit der deutschenkapitalistischen Schuhmacheri jener Zeit ersieht man deutlich, wennman sie etwa mit der Londoner oder Pariser in Vergleich stellt.Der amtliche Berichterstatter über die Pariser Weltausstellung desJahres 1855 weifs uns in anschaulicher Weise gerade den Gegen-satz zwischen der schon stark kapitalistisch inficierten pariser undder noch wesentlich handwerksmäfsigen deutschen Schusterei zuschildern i .
Im Anschlufs an die Schuhmacherei, vor allem in der Form deszweiten und dritten Typus ist auch nur die Organisation des wichtigstenHilfsgewerbes der Schusterei, der handwerksmäfsigen Gerbereizu verstehen. Die Lederbearbeitung war in jener Zeit teils schonkapitalistisch organisiert. In der That sind uns denn auch in derFabriktabelle für das Jahr 1846 stattliche Ziffern begegnet, in denendie verhältnismäfsig hohe Entwicklung der industriellen Leder-verarbeitung in Deutschland zum Ausdruck kam: es wurden 8622„Gerbereien“ mit 20609 Arbeitern neben 551 „Leder- und Leder-warenfabriken“ mit 4435 Arbeitern gezählt, erstere hauptsächlichin Bayern und Kurhessen, letztere im Grofsherzogtum Hessen,
1 Gesellschaftsspiegel, herausgeg. von M. Hefs. Neue Ausg. u. d. Tit.„Die gesellschaftlichen Zustände d. civilisierten Welt“ 1 (1846), „Berichte“, 89/90.
2 Mitteilungen des statistischen Bureaus in Berlin 1 (1848), 234/35.
8 E. Francke, Schuhmacherei in Bayern (1893), 24.
4 Amtlicher Bericht über die allgemeine Pariser Weltausstellung imJahre 1855 (1856), 654/55.