Neunzehntes Kapitel. Das vorkapitalistische Gewerbewesen. 4455
Die Maler und Anstreicher sorgen für den Anstrich derWände aufsen und innen, sie übernehmen ununterschiedlich dievorkommenden Arbeiten, die im Aufträgen von Farben bestehen.Die Farben müssen sie sich noch selbst reiben. Diese Beschäftigungfüllt ihre freie Zeit namentlich in den Wintermonaten aus. Wo diegestrichene Wand anfängt der aufgeklebten Papiertapete zu weichen,sucht das freie Gewerbe der Tapezierer diese Vornahme an sich zuziehen. Dekorationsthätigkeit im Innern der Wohnung, die heute einengrofsen Teil der Tapezierarbeiten bildet, gab es bei der Kahlheitder Zimmereinrichtungen erst in geringem Umfange. „Die häus-lichen Einrichtungen waren im Durchschnitt sehr einfach. Voneinem „stilvollen“ Zimmerputz wufste man noch nichts . . . AuchPolstermöbel mit Sprungfedern fanden sich nur in den besserenHäusern * 1 .“
Um die Herstellung und Anbringung der Holzteile im Innerndes Hauses hat von jeher ein Kampf zwischen Zimmerer undTischler geherrscht. Gerade um die Mitte des Jahrhundertsscheint er für letztere günstig entschieden gewesen zu sein (U.IX, 56).Dem Bautischler liegt die Anfertigung der Thüren und Fenster,meist auch der noch überwiegend hölzernen Treppen und der Fufs-böden ob. Letztere geben teilweise zu kunstvoller Arbeit Anlafs,wenn sie in schönen individualisierten Parkettmustern ausgeführtwerden 2 . Die einfachen Parkettformen sind noch unbekannt. Diesämtlichen, namhaft gemachten Bestandteile des Hauses stellt derTischler in seiner Werkstatt ohne Zuhilfenahme von Maschinen amOrte des Baues selber her und bringt sie selber an Ort und Stellean. Das nötige Holz fährt ihm der Bauer aus der Umgegend aufdem Markt an 3 .
Trotz der früher erheblich geringeren Verwendung von Eisenbeim Hausbau, war die Thätigkeit der Bauschlosser doch eineviel umfassendere als heute. Denn fast bis in die Mitte des 19. Jahr-
gebäude, 29 303 042 Thlr. In der städtischen Feuersocietät für die ProvinzSachsen betrug im Jahre 1846 die Versicherungssumme der Gebäude mitmassiven Umfassungswänden 5 264 067 Thlr., der Gebäude von Fachwerk36 629498 Thlr . Statistisches Jahrbuch etc. 1 (1863), S. 143—149.
1 0. Bähr, a. a. 0. S. 30.
2 Auf der Freiburger Gewerbeausstellung im Jahre 1842 zeichnete sichein Meister durch besonders schöne Parkettmuster aus: U. VIII, 238. InBerlin war die Parkettfabrikation ebenfalls noch während der 1840er Jahre derhandwerksmäfsigen Bautischlerei eingegliedert: U. IV, 339.
3 Vgl. U. II, 58.
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