Einundzwanzigstes Kapitel. Fälle indirekt. Abhängigkeit v. Kapital. 491
Die Revolutionierung des Baugewerbes ist auf das engste ver-knüpft mit dem Vordringen des Spekulationsbaus, d. h.des nicht mehr auf Bestellung, sondern als Ware für den Markt produ-zierten Baues. Die marktmäfsige Häuserproduktion nimmt seitEnde der 1850er Jahre in den deutschen Grofs- und Mittelstädtenentsprechend dem Anwachsen ihrer Bevölkerungszahl und der Höheder Grundrente, stetig an Bedeutung zu, dringt in den 1870erJahren rasch siegreich vor und herrscht heute, wenigstens soweit dieMietshäuser in Betracht kommen, fast unumschränkt. Währendz. B. die Frankfurter Handelskammer in ihrem Bericht von 1883konstatiert, „dafs Aufträge aus Privatkreisen immer seltener werden“,heifst es schon 1886: „Privatbauten — d. h. Bestellungsbauten—■ giebt es fast gar nicht mehr 1 .“ Die Eigenart der marktmäfsigenHäuserproduktion liegt nun vor allem darin, dafs sie fast stets imunmittelbaren Zusammenhänge mit der Baugrundspekulation steht;d. h. dafs ein Gewinn meist nicht nur aus der Bauthätigkeit allein,sondern gleichzeitig auch aus der Verwertung spekulativ erworbenerGrundstücke erstrebt wird. Diese Doppelnatur der Häuserspeku-lation bringt es nun aber mit sich, dafs das Kapital in das Bau-gewerbe von zwei ganz verschiedenen Seiten her eindringt; einmalnämlich von der Seite der Häuserproduzenten, sodann von derSeite der Baugrundhesitzer her. Dort wird die Vornahme desHäuserhaus kapitalistisch umgestaltet, die Verwertung des Kapitalsin der kapitalistischen Gestaltung der Produktion angestreht: waszur Entwicklung des grofsen Baugeschäftes, der kapitalistischen Bauunternehmung im strengen Sinne des Wortes führt: eine Ent-wicklung, mit der wir an anderer Stelle uns noch zu beschäftigenhaben werden. Diese kapitalistisch gestaltete Häuserproduktionbraucht nicht notwendig nur auf Spekulationsbauten sich zu erstrecken:ein grofses Baugeschäft, das mit Hunderten von Arbeitern für Privateoder Behörden Gebäude auf Bestellung ausführt, ist darum nichtminder eine kapitalistische Unternehmung. Sie kann aber natürlichauch in der Sphäre der marktmäfsigen Häuserproduktion sich be-thätigen. In diesem Falle kann das Baugeschäft identisch seinmit dem Bauspekulanten, braucht es aber nicht Der Profit desBaugeschäfts ist zunächst also immer Produktionsprofit, kann aberdurch Absatzgewinn vergröfsert werden.
Wenn das Kapital von der Baugrundspekulation seinen Ausgangs-