Einundzwanzigstes Kapitel. Fälle indirekt. Abhängigkeit v. Kapital. 503
in den Specialbetrieben hergestellt werden, bei weitem nicht er-schöpft; es ist aber nicht erforderlich, einen möglichst vollständigenKatalog aufzustellen, sondern es genügt die Thatsache zu konsta-tieren, dafs der Produktionsprozefs in der Berliner Tischlerei sich zumgröfsten Teil in mehr oder weniger specialisierten Betrieben vollzieht.Die Berliner Möbel werden in ganz Deutschland und im Auslandeabgesetzt. Ihre Konkurrenz macht sich allerorts fühlbar 1 .
In anderen Grofsstädten liegen die Verhältnisse ähnlich, wennauch freilich Berlin mit seiner Riesenproduktion gerade an markt-gängigen, in Klein- und Mittelbetrieben hergestellten Möbel einzigdasteht.
Für München lautet ein Bericht 2 : Von der grofsen Masse derTischlereibetriebe, die Mittelware, also hauptsächlich die alte Kund-schaftsware, herstellt, haben sich viele Meister in das Unabänder-liche gefunden und arbeiten für Magazine. Nur ein Teil derSchreiner lebt noch von Kundschaftsarbeit.
In Augsburg scheinen es vornehmlich Kleinstbetriebe zu sein,die für die Magazine die minderwertige Ware liefern, während diebessere von auswärts bezogen wird. Abzahlungsgeschäfte und„Käufler“ (Trödler) spielen eine besonders wichtige Rolle für denkleinen Tischlermeister Augsburgs und der umliegenden Orte (U. III,565-67).
In Mainz arbeitet von den Tischlermeistern, die Gehilfen be-schäftigen, ein „gutes Drittel“ für Fabriken, wenn bei diesen grofseBestellungen einlaufen, die vorher unberechenbar sind. „Es istselbstverständlich für den Grofsbetrieb vorteilhafter, stets eine Reihevon ihnen zur Verfügung zu haben, um sie nachher wieder abzu-stofsen“ u. s. w. „Wieder ein anderes Drittel arbeitet mehr oderminder selbständig für den Händler, der bessere Sachen verkauft,und ist, wie ehemals, völlig von ihm abhängig.“ In derselben Lagebefinden sich sämtliche allein arbeitende Meister (U. III, 335).
In Köln giebt es, wie anderwärts, einige Magazine für bessere(fournierte) Möbel neben einer grofsen Anzahl von Magazinen fürminderwertige, namentlich tannene Möbel. Während nun diefeinere Ware von auswärts kommt, werden für beide Arten vonMagazinen die ordinären Möbel von Kölner Schreinermeistern her-
1 Berichtet für München: F. Thurneyssen, Das Münchener Schreiner-gewerbe. 1897. S. 74.90/91. Für Augsburg U. 111,528; Köln U. I, 262; Frei-burg i. B. VIII, 249; Jena IX, 58; Karlsruhe III, 118; Spreewald VII, 527; Eis-leben IX, 317; Umgegend von Könitz IV, 158; Nakel IV, 219.
2 Thurneyssen, a. a. 0. S. 75.