Einundzwanzigstes Kapitel. Fälle indirekt. Abhängigkeit v. Kapital. 507
stattungsgeschäft oder ein einfaches Möbelmagazin ist. Der Unter-nehmer steht zuweilen mit einem Meister in einer Art vonVertrags- oder doch dauerndem Produktionsverhältnisse. Dann istder Meister verpflichtet, ausschliefslich für den einen Unternehmerzu arbeiten und dieser, seinen Bedarf bei dem Meister zu decken.Dem Meister werden Möbelgestelle, Überzüge und Dekorationsstoffegeliefert und später bei der Abnahme und Preisaufstellung der ein-zelnen Stücke in Anrechnung gestellt. Die übrigen Materialien:PolsterstofFe, Schnüre, Posamenten etc. hat der Meister selbst zubeschaffen. Die Abrechnung erfolgt meist in gröfseren Zwischen-räumen. Sehr richtig bemerkt der Geschichtschreiber des BerlinerTapezierergewerbes, dals diese „juristische und faktische Gleich-stellung der Kontrahenten“, obwohl kein eigentliches Lohnarbeiter-verhältnis vorliegt, doch „eine gewisse ökonomische Abhängigkeit“umschliefse (U. I, 104). Der Unternehmer, der in der Regel 3B 1 /s °/oals Gewinn für seine Bemühungen zu berechnen pflege, erreichedurch ein derartiges Kontraktsverhältnis, dafs der Meister „zu rück-sichtsloser Ausnutzung seiner eigenen Arbeitskraft, wie derjenigenseiner Gehilfen und Lehrlinge“ gezwungen werde. In dermafsendauernden Vertragsbeziehungen zu einzelnen Meistern stehen nunaber nur die erstklassigen Geschäfte, die nur Luxusmöbel führen.Diejenigen Magazine, in denen die minderwertige Ware dominiertund die in der Begel zugleich Abzahlungsgeschäfte sind, pflegenbald diesen, bald jenen Handwerksmeister zu beschäftigen, meistmehrere zugleich, bis ihnen ein anderer durch Unterbietung höhereGewinnchancen eröffnet. Auch hier ist es meistens Sitte, dafs derMagazininhaber die Möbelgestelle und den Überzug liefert und derMeister sich die Polstermaterialien und die übrigen Zuthaten selbstbeschafft. Aber auch die Lieferung sämtlicher Stoffe seitens desUnternehmers kommt vor. Dann ist das Verhältnis des Magazin-meisters dem eines Hausindustriellen offenbar so ähnlich wie einEi dem andern. Umgekehrt finden wir auch häufig den Fall, dafskleine Meister ganz selbständig produzieren und dann ihre Erzeug-nisse von Magazin zu Magazin fahren, um sie an den Mann zu bringen.Womit wir auch in der Tapeziererei den reinen Typus des troleurwiedergefunden hätten. Von diesen kleinen Tapeziermeistern be-merkt unser Berliner Verfasser, dafs sie meistenteils ein elendesDasein führten. „Sie sind durch bittere Not und Arbeitslosigkeitgezwungen, fast um jeden Preis zu arbeiten, und nur von dem Be-streben erfüllt, bares Geld in die Hände zu bekommen.“
Der in diesen Zeilen gegebenen Darstellung haben die Berliner