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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
Seite
506
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506 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

Meister von Geschäft zu Geschäft anfragend, ob seine Arbeitengebraucht werden; je später es wird, desto billiger ist er mit seinenForderungen, bis er schliefslich für einen Preis die Arbeiten anden Mann gebracht hat, welcher kaum Arbeitslohn und Holz deckt.Freiburg i. B. (U. VIII, 244):Die Niedrigkeit dieser Preise

ist noch viel drückender für den arbeitslosen Stadtmeister. Wenner in Ermangelung von Bestellungen einige Stücke auf Vorrat hatmachen müssen, bietet er sie von Möbelhändler zu Möbelhändler anund verkauft sie schliefslich zu den niedrigsten Preisen, um diedringende Schuld an den Holzhändler los zu werden.

Köln a. Rh. (U. I, 276):Die Hausindustriellen kennen ihrenKundenkreis und den der Magazine aufs genaueste; sie wissen,welche Möbel und wieviel derselben es nötig hat. So wird dieWoche hindurch geschreinert, des Sonntags angestrichen und ge-masert, und Montags fährt der Hausindustrielle die während dervergangenen Woche gefertigten Stücke auf einem Handwagen beiseinen einzelnen Kunden vor und verkauft sie so; ...eine plan-mäfsige Ausbeutung seitens der Magazinbesitzer (soll) nicht allzuselten sein. Auch dem Wandrer in den Strafsen Breslaus istdieser tröleur eine vertraute Erscheinung 1 .

In einer ganz ähnlichen Stellung wie der für das Magazinarbeitende Möbeltischler befindet sich aber der Tapezierer, derdie Polsterungen an den Möbeln zu besorgen hat. Auch er bleibtnominell selbständiger Handwerksmeister, befindet sich aber in mehroder minder fester Abhängigkeit von der kapitalistischen Unter-nehmung, die ebenfalls entweder ein grofses kombiniertes Aus-

1 oeine Existenz konstatiert auch in Prag: UOe. 186. Marx beschreibtdiesesSystem auf Grund in England gewonnener Anschauungen schon imJahre 1865. Um zu zeigen, in welch unheimlicher Gleichförmigkeit sich der-artige Entwicklungsreihen abspielen, teile ich die betreffende Stelle im Wort-laut mit (Kapital III, 1, 319).Sie (die Londoner Möbelfabrikation) wirdnamentlich in den Tower Hamlets auf sehr ausgebreitetem Fufse betrieben.Die ganze Produktion ist in sehr viele von einander unabhängige Geschäfts-zweige geteilt. Das eine Geschäft macht blofs Stühle, das andere blofs Tische,das dritte blofs Schränke u. s. w. Aber diese Geschäfte selbst werden mehroder weniger handwerksmäfsig betrieben, von einem kleinen Meister mitwenigen Gesellen. Dennoch ist die Produktion zu massenhaft, um direktfür Private zu arbeiten. Ihre Käufer sind die Besitzer von Möbelmagazinen.Am Sonnabend begiebt sich der Meister zu ihnen und verkauft sein Produkt,wobei ganz so über den Preis geschachert wird, wie im Pfandhaus über denVorschufs auf dieses oder jenes Stück. Die Meister bedürfen des wöchent-lichen Verkaufs, schon um für die nächste Woche wieder Rohmaterial kaufenund Arbeitslohn auszahlen zu können.