Einundzwanzigstes Kapitel. Fälle indirekt. Abhängigkeit v. Kapital. 505
keit vom Kapital zu geraten, sprechen dürfen. Dafs diese Ab-hängigkeit verschieden abgestuft ist, wurde schon hervorgehoben. Nureiner bestimmten, höchst charakteristischen Form solcher Abhängig-keit möchte ich zum Schlüsse noch Erwähnung thun, weil sie unszeigt, von welcher weitgehenden Übereinstimmung derartige Ge-staltungsprozesse des Wirtschaftslebens sind. Eine unfertige Er-kenntnis sprach, wenn sie solche Uniformität der Erscheinungenbeobachtete, gern von ökonomischen „Naturgesetzen“. Wir wissen,dafs es nichts anderes sind als die notwendig gleichen Wirkungengleicher Ursachenkomplexe. Aber das Entzücken des socialenForschers ist darum nicht minder grofs, wenn er ihnen begegnet.
Was ich meine, ist dasjenige, was die Franzosen „tröle“ 1nennen und die Engländer als Hökerei („hawking“) 2 bezeichnen.Das Bestreben des Kapitals, in unserm Falle des in den Möbel-magazinen vertretenen Kaufmannskapitals, das Risiko, soweit irgendangängig, von sich auf den Arbeiter zu wälzen, hat nämlich beieinigen Arten von Möbeln ■— ganz geringer Ware, die vollständigfungibel ist und, weil von jedem Tischler herstellbar, in stets hin-reichender Menge angeboten wird — von irgend welcher festen Be-stellung bei den Tischlern überhaupt abzusehen und das Angebotim eigenen Laden abzuwarten. Da fertigt denn der Arbeiter dieWoche über Möbel einer bestimmten Gattung, für die er nochkeinen Abnehmer weifs, und fährt mit ihnen am Sonnabend odereinem bekannten andern Wochentage von Magazin zu Magazin,seine Ware feilbietend. Dafs hier — bei der mächtigen Konkurrenz— die Abhängigkeit, und somit Niedrigkeit der Kaufpreise ihrhöchstes Mafs erreichen — trotz der scheinbaren Freiheit — liegtin den Verhältnissen begründet.
Hören wir einige der Berichte!
Berlin ( U. IV, 414): Hunderte von Meistern existieren, dieunbedingt an jedem Sonnabend ihre Ware verschleudern müssen.„Diese „Meister“ arbeiten ohne jedwede Bestellung; sind die Ar-beiten fertig gestellt, die Händler mit Holz, Leim und Fournierenangepumpt, der Arbeiter auf seinen Lohn vertröstet bis zum Ver-kauf der Arbeiten, so beginnt der „Meister“ den Verkauf. DieArbeiten werden auf einen Möbelwagen geladen, dann fährt der
1 Vgl. die anschauliche Schilderung für Paris bei P. du Maroussem )Ebeniste du Faubourg St. Germain. 1893.
2 Vgl. für London : Ch. Booth, 1. c. p. 175 seq. und P. de Rousiers,1. c. p. 143 seq. Auch der First Report of the Select Committee of the Houseof Lords on the Sweating System (1888) enthält einschlägiges Material.