510
2. Artikel, die zu ihrer Erzeugung viel lebendige und in ein-zelne Vornahmen zersplitterte Arbeit erheischen: das Charakteristi-kum aller „konfektionierten“ Artikel; zudem noch, wie namentlichin der Schneiderei:
3. Objekte specifiscli weiblicher Arbeit.
Die Widerstandskraft der hausindustriellen Betriebsweise höherenBetriebsformen gegenüber ist in den genannten Gewerben nicht gleichgrofs. Während die Hausindustrie in der Schneiderei einstweilennoch fast ausschliefslich dominiert, hat sie in der Schuhmachereibereits erheblich an Terrain verloren.
Über die Gestaltung der einzelnen Hausindustrien mögen fol-gende Angaben Aufschlufs geben:
Die Erzeugung von Schuhen und Stiefeln gehört heutean den zwei Extremen der Produktqualität der Hausindustrie an.Einmal nämlich fallen mehr und mehr die Schuhmacher in denalten Schusterdörfern und Schusterstädten, die ehemals durchHausierer und auf Jahrmärkten selbständig ihre Erzeugnisse ver-trieben hatten, dem kapitalistischen Verleger anheim 1 ; sodann wirdgerade das eleganteste Schuhwerk heutzutage noch vielfach haus-industriell hergestellt. So die beliebte österreichische Exportware 2 ,so auch in Deutschland feineres Genre. In Breslau und, mandarf wohl sagen, allen gröfseren Städten 3 * * * * 8 , bezieht „die feinere Welt“jetzt die elegantesten Schuhwaren aus den „Verlagsmagazinen“ derbelebten Strafsen, sei es, dafs man die gewünschte Nummer fertigin dem reich assortierten Lager findet (Damen und Kinder thundies meist), sei es, dafs man sich ein Paar in dem eleganten Laden-raume anmessen läfst. Geschieht letzteres — und in der Aus-führung feinster Mafsarbpit beruht gerade das Renommöe der elegan-testen Magazine — so läfst der Unternehmer von seinem Wiener oder Pariser Zuschneider aus einem grofsen Vorrat bester Leder-sorten die Schäfte zuschneiden und entweder in seiner Werkstatt
1 In Altona U. I, 29 f.; Dramburg I, 56; Groitzsch und Pegau (bei Leip-
zig ) II, 219 f.; Elmshorn I, 12 f.; Kahla IX, 36; Loitz I, 43 £.; Preetz I, 6;
wiirttembergische Orte III, 222. 250; schlesische Orte IX, 498 f.; für Ga-lizien vgl. C. v. Paygert, Die soc. u. Wirtschaft! Lage der galizischenSchuhmacher, 1891; für Bayern : E. Franeke, Die Schuhmacherei in B.
1893. In seiner Studie „Die Hausindustrie in der Schuhmacherei Deutschlands “
(Sehr. d. V. f. S. P. Bd. 87) resümiert derselbe Verfasser die Ergebnisse derU.
s Für Wien vgl. UOe. 40. 46.-53—56; für.Prag ebenda S. 172; fernerfür ganz Österreich das „Stenogr. Protokoll über die Lage des Schuh-
machergewerbes“. 1892.