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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Dreiundzwanzigstes Kapitel. Die Aufserhausindustrie.

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licher Unternehmungen, sich in der Form der aufserhausindustriellenOrganisation zu erhalten, bei einer Reihe anderer Baugewerbe her-vor, so bei der Malerei. Da dieser die Fabrik die Farbezube-reitung abgenommen hat, so ist ihr nur das Aufträgen der fertigenFarben auf die Wände von ihrem alten Produktionsgebiet geblieben.Wenn wir nun in einem Neubau, und sei es selbst ein respektablesöffentliches Gebäude, Maler an der Arbeit sehen, so werden wirhöchstens ein paar Dutzend Leute auf Leitern und Gerüsten wahr-nehmen, die in handwerksmäfsiger Technik ihre Thätigkeit aus-iiben. KeinenGrofsbetrieb, keine Maschinenanwendung oderdergl. Und dennoch hat sich ein mächtiger Umschwung auch imSchofse des Malergewerbes vollzogen. So erfahren wir z. B. vonBerlin, dafs seit etwa 12 Jahren der Grofsbetrieb (lies:kapita-listische Unternehmung) siegreich vorgedrungen ist und gewaltigan Boden gewonnen hat.Im Sommer 1895 giebt es für Stuben-und Dekorationsmalerei etwa 20 Geschäfte mit über 50 Arbeitern.Das gröfste Geschäft hat durchschnittlich 250300, im Höchstfälle000, im Winter gelegentlich auch nur 150 Arbeiter. Dann folgen45 Geschäfte, für die eine durchschnittliche Arbeiterzahl von100200 Leuten genannt wird, sodann etwa 15 Geschäfte, derendurchschnitliche Arbeiterzahl auf etwa 5060 Köpfe geschätzt wird(U. VII, 208/209). Was bedeutet das?

Offenbar dieses, dafs sich zwar nicht der Arbeitsprozefs desMalergewerbes wesentlich umgestaltet, wohl aber die kapitalistischeUnternehmung sich des Malergewerbes bemächtigt hat. Der Theo-retiker gewerblicher Organisations- und Betriebsformen steht hieralso vor einem durchaus eigentümlichen Gebilde kapitalisti-scher Laune. Ein Malereigeschäft, das 100 Arbeiter am Morgenan sage 10 verschiedene Arbeitsplätze aussendet, ist ohneallen Zweifel eine grofskapitalistische Unternehmung, die wederHausindustrielle beschäftigt, also auch nicht Verlag ist, nochhandwerksmäfsige Existenzen in indirekter Abhängigkeit erhält, dieaber trotzdem den Grofsbetrieb noch nicht oder nicht überall ent-wickelt hat, wenn sie auch eine grofse Anzahl von Lohnarbeiternin ihrem unmittelbaren Dienst stehen hat. Es mufs genügen, wennwir die unendliche Mannigfaltigkeit des Lebens in dieser theoretischfreilich unvollkommenen, aber, wie ich meine, für das Verständnisdes Thatbestands doch hinreichenden Weise systematisiert haben.Dafs derartige baugewerbliche Unternehmungen wie grofse Malerei-geschäfte mit separaten Arbeitsprozessen zu der Species der univer-