Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Sphäre des specialis. Grofsbetriebs. 525
nistung des kapitalistischen Grofsbetriebes in die gewerbliche Pro-duktion insonderheit betrifft, so läfst sich mit einiger Sicherheitder ganz allmähliche schrittweise Entwicklungsgang nach-weisen, in dem er, oft auf Umwegen, sich das frühere Herrschafts-gebiet des Handwerks zu erobern gewufst hat oder im Begriffe istoder versucht. Es sind nämlich häufig zuerst einzelne Produktions-gebiete eines Handwerks, in denen er sich festsetzt, es ist die Er-zeugung einzelner, der Massenproduktion am ehesten zugänglicherArtikel, mit Vorliebe Halbfabrikate oder Hilfsstoffe, die er an sichreifst, sodafs fast in allen Gewerben eine allmähliche Aushöhlungdes alten handwerksmäfsigen Produktionsgebietes erfolgt und sichoft lange Entwicklungsphasen beobachten lassen, in denen „Grofs-betrieb“ und Handwerk neben einander bestehen. In unserer raschauffassenden Zeit hat sich denn wohl, während oft schon die Um-gestaltung selbst ein Stück darüber hinausgeschritten war, hie undda die Meinung herausgebildet: der „Grofsbetrieb“ sei recht eigent-lich dazu bestimmt, neben das Handwerk zu ti’eten, dem Hand-werk besonders einförmige Arbeiten abzunehmen, gleichsam Dienerdes Handwerks zu werden.
Ferner aber ist auch die Meinung ganz irrig, als ob sich derzentralisierte Betrieb sofort immer als Riesenbetrieb etablierte. Ganzim Gegenteil sehen wir ihn auch quantitativ sich häufigaus kleinen Anfängen erst zu grofsen Betrieben herausarbeiten.Die sog. „Mittelbetriebe“ von 12— 15 Hilfskräften sind oft dereigentliche Ausgangspunkt grofsbetrieblicher Entwicklung. Wie sichnun in den wichtigsten Gewerbezweigen dieses allmähliche Vor-dringen des kapitalistischen Grofsbetriebes stufenweise vollzogenhat und welches sein heutiges Herrschaftsgebiet in grofsen Umrissenist, das darzuthun soll der Zweck der folgenden Zeilen sein, derenGliederung der Übersichtlichkeit halber wieder der schon bewährtenUnterscheidung nach Bedarfsgebieten entnommen werden soll.
A. Ernährungsgewerbe.
In der Herstellung des Brotes und der ihm verwandtenNahrungsmittel ist die Vermahlung des Mehles im Begriffe mehrund mehr an grofse Kunstmühlen insonderheit Dampfmühlenüberzugehen, ein Prozefs, der schon Mitte der 1880er Jahre sehrweit vorgeschritten war 1 . Heute beziehen die grofs- und mittel-
1 Vgl. z. B. das Referat „Der Übergang der deutschen Müllerei zumGrofsbetriebe“ in Sehmollers Jahrbuch VII (1884) S. 659. Für die moderne