52ti Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
städtischen Bäckereien ihr Mehl zum weit überwiegenden Teilaus Grofsmüllereien *. Aber auch der Mehlbedarf auf dem Landeund in kleinen Städten wird bereits durch die grofsen Dampf-mühlen vielerorts gedeckt. In Salzwedel beherrscht die „Müllereider Grofsbetrieb fast gänzlich; mit der einen grofsen Dampfmühleund ein paar gröfseren Wassermühlen können die kleinen Mühlennicht recht konkurrieren. Da die Dampfmühle ein weifseres undreineres Mehl als die Windmühlen zu liefern vermag, die Wind-miiller auch häufig in ihrem Geschäft nicht ganz reell verfahren,so beginnt sie schon, den ländlichen Müllern eine gefährliche Kon-kurrentin zu werden“ (U. I, 158, 159). Für den Mehlbezug derBäcker in Jena „kommen die zahlreichen Wassermühlen der Stadtund der nächsten Umgebung . . . nur in geringem Mafse in Betracht,während der Hauptanteil auf die grofsen Mühlenbetriebe vonWeimar, Halle, Wurzen, Oschatz und anderen Orten entfällt“(U. IX, 214). Die Bäcker im badischen Dorfe Nottingen-Darmsbachkaufen das Mehl bei den Kunstmüllern, verkaufen auch solches anHandwerker und Bauern (U. VIII, 67). Der Mehlbezug einer der2 Bäckereien im Dorfe Gahlenz, die am meisten verbraucht, findetimmer in Posten von 100 Ctr. statt „und zwar kommt es aus grofsenMühlen von Riesa und Wurzen “ (U. V, 39). Der Bäcker des ost-friesischen Dorfes Loquard kauft Weizenmehl „nie beim Müller , dadieser kein so gutes Erzeugnis, wie die Dampfmühlen liefert; erbezieht es vielmehr von 3—4 verschiedenen Händlern in der Stadt“(U. VII, 581). Während im badischen Dorfe Mefskirch „früherdie Mehlhändler und Bäcker das Getreide kauften und es mahlenliefsen, beziehen sie jetzt das Mehl aus Kunstmühlen, von denensich mehrere in einem 5 Stunden entfernten Städtchen befinden,wodurch natürlich unsere Müller einen Ausfall erlitten haben“(U. VIII, 47).
Von fertigen Erzeugnissen der Bäckerei und Zuckerbäckereiist nun zunächst alle Dauerware, wie man sie zusammenfassendbezeichnen kann, dem Grofs- und Gröfstbetrieb anheimgefallen.Jedes Kind kennt die weltberühmten Firmen für Chokolade und
Entwicklung vgl. jetzt Ludw. Holländer, Die Lage der deutschen Mühlen-industrie. 1898 und vor allem Mohr, Entwicklung des Grofsbetriebes in derGetreidemüllerei. 1899. Über Aktienmühlen vgl. Saling, a. a. 0. S. 1338 ff.
1 Vgl. für Leipzig U. II, 391 f.; Breslau VII, 111 (Breslauer , Nieder-schlesische, Ungarische Mühlen), Berlin VII, 146; für München Arnold,a. a. O. S. 46; für Eisleben U. IX, 299.