Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Sphäre des specialis. Großbetriebs. 527
Bonbons 1 und ähnlich wie diese Artikel sind Artikel grofsindu-strieller Massenerzeugung geworden: Biskuits (grofse Fabriken inWurzen, Freiberg, Hannover, Hamburg) , Dessert, Thee- und Tafel-gebäck, Watfein, Lebkuchen, Honigkuchen, Karamels, Fondants,Frucht-Gelees, Marmeladen etc. etc.
In der eigentlichen Broterzeugung ist der kapitalistischeGrofsbetrieb bislang nur zu geringer Entwicklung gelangt. Weifs-brotfabriken sind sehr selten 2 , aber auch Schwarzbrotfabrikenscheinen überall nur dort recht zu gedeihen und zwar meist alsgenossenschaftliche, wo ihnen eine stramme Konsumkonzentrationgegenübersteht, also bei Lieferungen für Institute, Krankenhäuser,Kasernen und namentlich im Anschlufs an Konsumvereine: hie undda auch in Proletariervorstädten z. B. Wien X. Die gröfste Konsum -brotfabrik nicht nur in Deutschland, sondern auf dem Kontinent,ist, meines Wissens, die Breslauer mit einer Jahresproduktion von(1900) 25223050 Pfund Brot 3 . Dagegen tritt die privatkapita-listische Grofsproduktion auch in den gröfseren Städten durchauszurück 4 .
Ein Feld kleinkapitalistischer Gestaltung scheinen in einzelnengröfseren Städten unter den Weifsbäckern die Feinbäckereien zusein. In Breslau z. B. repräsentieren sie eine ganz abgesonderte Klassewohlrentierender Bäckereibetriebe. Produziert werden in diesenBetrieben neben der feinen Backware (Buttergebäck) noch Konditor-waren, verkauft aufserdem Schrotbrot, Grahambrot, Wiener Mehl, vereinzelt auch Kaffee, Thee und Zuckerwaren. „Die Be-triebsinhaber sind durchweg kapitalkräftige Personen, meist Eigen-
1 Teilweise Riesenbetriebe. So beschäftigt die Stollwerksche Choko-ladenfabrik annähernd 2000 Arbeiter.
- 2 Eine solche in München , die (1894) täglich 27000 Stück Weifsbrot
(aufser 4000 kg Schwarzbrot) liefert, beschreibt Arnold, a. a. O. S. 30 f.38. 57 f.
3 1875 betrug die Produktion 2Vs Mill. Pfund. Geschäftsbericht desBresl. Kons.-Vereins über sein 35. Geschäftsjahr, 1900. S. 4. Vgl. hierzu dielesenswerten Ausführungen in U. VII, 136 f.
4 Vgl. für München, a. a. O.; Leipzig U. H, 422; Berlin U. II, 136 ff.Die gröfste Brotfabrik in Berlin („Berliner Brotfabrik“, A.-G.), deren Ge-samtbruttogewinn 1897 373165 Mk. betrug, woraus 11% Dividende gezahltwerden konnten, betreibt fast ausschliefslich nur noch die Müllerei, aus•der allein 371093 Mk. des Gesamtgewinns flössen. Auch im Auslande sinddie grofsen Brotfabriken meist genossenschaftliche. Vgl. Les boulangeriescoopöratives particuliöremeut en Belgique. 1892. Für Wien , wo eine etwasraschere Entwicklung der kapitalistischen Grofsbäckereien stattzuhaben scheint,M. Wo lfram, a. a. O., S. 136 ff. Doch floriert auch hier nur ein Grofsbetrieb.