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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
tümer des Hauses, in denen die Werkstatt sich befindet. IhreRohstoffe beziehen sie gegen bare Zahlung oder kurzfristigen Kreditund die meisten führen auch ordnungsmäfsig Buch über Einnahmenund Ausgaben“ (U. VII, 119/120). Diese Bäckereien haben dieTendenz, sich durch Filialen ihren Abnehmerkreis zu erweitern bEbenfalls noch nicht sehr bedeutend sind die Eroberungen, welcheder kapitalistische Girofsbetrieb auf dem Gebiete der Fleischereiin Deutschland gemacht hat. Um diese Thatsache richtig zu würdigen,mufs man jedoch zweierlei in Betracht ziehen: 1. den vorwiegendkommerziellen Charakter namentlich der Rindviehschlächterei, derdie Wertzusetzung zu dem Rohstoff durch gewerbliche Thätigkeitauf ein Minimum einschränkt; 2. die aus sanitären Rücksichten infast allen Grofsstädten geschaffenen, mehr und mehr auch in dieMittelstädte vordringenden Schlachthofanlagen. Diese sind gleichsameine von Gemeindewegen den Einzelfleischern gegen einen be-stimmten Entgelt zur Verfügung gestellte Fabrikanlage : „Die durchden Schlachtzwang gegebene Gebundenheit an eine bestimmte Pro-duktionsstätte, die von der Stadtgemeinde erbaut, mit Werkzeugenund Maschinen ausgestattet ist und auch von ihr unterhalten undverwaltet wird, überhebt den Fleischer der Sorge um die Betriebs-stätte und bietet ihm zugleich Einrichtungen von einer Vollkommen-heit, wie sie der einzelne fast nie beschaffen könnte“ (U. VI. 82).Trotzdem finden wir einige bedeutsame Ansätze zu grofskapitalisti-scher Gestaltung der Fleischerei auch in Deutschland und zwargleichzeitig an zwei verschiedenen Stellen: im Schlachtgeschäft undin der Wurstmacherei.
1 In Wien ist die kleinkapitalistische Unternehmung nach den AngabenWolframs, a. a. 0. S. 162 ff., sogar der vorherrschende Typus in derBäckerei überhaupt. W. rechnet auf die „Mittelbetriebe“, solche, die6—12 Gehilfen beschäftigen, 60% von den der Wiener BäckergenossenSchaftzugehörigen 766 Bäckereien. Dafs diese „Mittelbetriebe“ jedoch zum grofsenTeil jedenfalls den kleinkapitalistischen Unternehmungen und nicht demHandwerk angehören, dürfte zweifellos sein, wenn wir z. B. hören, dafs eineBäckerei mit 8 Gehilfen einen Jahresumsatz von 72000 fl. hat und einenProfit von 7000 fl. abwirft (a. a. O. S. 168). Es steht mit dieser Annahmedurchaus im Einklang, „dafs der Bäckereibesitzer durchschnittlich sich wenigum die Verhältnisse in der Bäckerei kümmert, fast nie des Nachts dem Back-prozefs beiwohnt und die einzige ihm obliegende Thätigkeit, die geschäft-liche Leitung des Unternehmens, oft nicht ungern andern überläfst, um inseiner freien Zeit so wenig als möglich beengt zu sein. Er ist Klein-gewerbler mit den Aspirationen des Kapitalisten, zumindest des Haus-besitzers“ (a. a. O. S. 74).