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Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Sphäre des specialis. Grofsbetriebs. 535
belief sich auf 15000; die Produktionsmenge auf 14000000 PaarSchuhe jährlich im Werte von 35 Mill. Mk. Gewifs sind auch dieseZiffern heute schon veraltet. Aber welche Statistik vermöchte jenemUmbildungsprozesse auf dem Fufse zu folgen, der sich vor unsernAugen in dem personenreichsten und somit bedeutsamsten Gewerbe,der Schuhmacherei, abspielt ? !
Dasjenige Hilfsgewerbe der Schuhmacherei, welches vor' allem mit dem Schicksale der Hauptindustrie engstens verflochten
ist, ist, wie schon an anderer Stelle hervorgehoben wurde, dieGerberei, insonderheit die Lohgerberei. Dafs diese in Deutsch-land bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Schranken desHandwerks mehrfach durchbrochen hatte, wurde ebenfalls schongezeigt. Was nun die Entwicklung während des verflossenenhalben Jahrhunderts anbelangt, so gipfelt sie in einer fastvölligen Alleinherrschaft der grofsen Lederfabrik, soweit die Loh-gerberei in Betracht kommt, in einem starken Vordringen aber auchder Grofsunternehmung auf dem Gebiete der Weifs- und Sämisch-gerberei. Im Rahmen des Grofsbetriebes hat sich der Arbeits-prozefs der Gerberei während des letzten Menschenalters zu völligneuen Formen entwickelt, durch die Einfügung von Maschinen$ sowohl als vor allem durch die Ausnutzung der Ergebnisse moderner
Chemie 1 . Was die Lohgerberei betrifft, so geht hier der Anstofszur Umgestaltung der Technik von den Arbeiten Knapps, Lietz-manns und Riemanns (Ende der 1850er und 1860er Jahre) aus,welche zuerst einen klaren wissenschaftlichen Einblick in denGerbeprozefs gewährten und die Chemie in den Dienst der bisdahin rein empirisch betriebenen Gerberei stellten. Seitdem hatdie wachsende Einsicht in das Gerbeverfahren zu immer neuenErrungenschaften für die Technik geführt. Augenblicklich ist manbemüht, die Elektrizität für die Gerberei dienstbar zu machen,wodurch die stärksten Häute in längstens 4 Tagen und Nächtenvöllig durchgegerbt werden und eine enorme Steigerung derJahresproduktion zu erzielen wäre (U. IV, 3. 4). Die Anwendungrationellerer Gerbstoffe, neuerdings des Quebrachoholzes an Stelle deralten Eichenlohe, hatte ebenfalls schon eine beträchtliche Abkürzungdes Produktionsprozesses ermöglicht. Daneben sind wichtige mecha-nische Errungenschaften zu verzeichnen: die Erfindung der jetzt inGrofsbetrieben allgemein angewandten Lederspaltmaschinen u. dergl.