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Aktienkapital von 3 Mill. Mark und einer Arbeiterschaft von zeit-weise mehr als 500 Personen.
Ferner: Thüren und Fenster. Nachdem längere Zeit —wie auch heute vielfach noch — Schweden grofse Mengen fertigerThüren und Fenster nach Deutschland geliefert hatte *, ist dieserIndustriezweig jetzt in Deutschland selbst an zahlreichen, insbe-sondere waldreichen Orten zur Blüte gelangt. Die bedeutendsten dieserFabriken liegen in Oeynhausen, Wolgast, Landsberg a. W., Weifsen-burg i. S. (Mittelfranken) , Freiburg i. B. 1 2 . Wenn auch die Bau-tischlerei in Deutschland einstweilen noch nicht ihren Schwerpunktin diesen Specialfabriken hat, etwa wie in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo bereits jetzt alles Holzwerk der Treppen, Thüren,und Fenster fast durchgängig in kolossalen Fabrikanlagen herge-stellt wird 3 , so beginnen doch diese Versandgeschäfte allerorts derlokalen Bauschreinerei empfindliche Konkurrenz zu machen 4 .
2. Fabriken für Eisen- und Stahlteile. Dafs allegröfseren Konstruktionsteile des Hauses aus Eisen: Träger,
Pfeiler etc. fertig aus der Fabrik (dem grofsen Stahl- undEisenwalzwerk) bezogen werden, ist selbstverständlich. Aberauch die Produktion der kleineren Bestandteile des Hauses ausEisen ist heute schon zum gröfsten Teile dem Grofsbetriebe an-heimgefallen. Auch bei diesen eisernen Baubestandteilen beob-achten wir wiederum ein allmähliches Vordringen des Grofsbetriebesvon einfachen Halbfabrikaten zu den komplizierteren Fertigfabrikaten.Zunächst waren es nur die Fensterecken, Wirbel, Bänder u. dergl.Artikel, die die Fabrik lieferte, anfangs jedoch auch sie noch nichtin gebrauchsfertigem Zustande, sondern erst halb vorgearbeitet, soz. B. die Thürbänder ausgestanzt, aber an der einen Seite nichtgerollt. Es blieb dem Bauschlosser die Vollendung. Dann kamendieselben Gegenstände fix und fertig aus der Fabrik. Und mitihnen nun auch kompliziertere Artikel, vor allem — was das beiweitem wichtigste Ereignis für die gesamte Bauschlosserei war —die Schlösser und Schlüssel selbst. Was heute an diesen Bau-
1 Ihre Konkurrenz fühlbar in Karlsruhe U. III, 101. Köln I, 301; „fastsämtliche in hiesigen Bauten verwandten Thüren kommen aus Schweden“.
2 Vgl. über letztere bezw. U. IV, 431 und VIII, 231.
3 J. Lessing, Kunstgewerbe, im Amtlichen Bericht über die Weltaus-stellung in Chicago 2 (1894), 769.
*■ Konstatiert für Köln a. Eh. U. I, 263; Augsburg III, 533; Berlin IV,431 u. a. O.; Zürich , Fachberichte etc. S. 219. Vgl. auch Sinzlieimerüber eine Ludwigshafener Fabrik a. a. O. S. 92.