Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Sphäre des specialis. Grofsbetriebs. 541
artikeln in Deutschland bedurft wird, stammt zum überwiegendenTeile aus den grofsen Specialfabriken, soweit es nicht etwa nochin der traditionellen Hausindustrie hergestellt wird x . Ein Stimmungs-bild aus der Bauschlosserei in Nakel (Netze): „Da — 1890 —
hielt die Fabrikware ihren Einzug und verdrängte binnen 2 Jahrendie Handarbeit vollkommen, sodafs heutzutage nur noch einigeLandleute ihre Schlösser vom Handwerker anfertigen lassen, stattsie für die Hälfte des Preises in gleicher Qualität im Laden zukaufen“ (U. IV, 216).
3. Fabriken für Blech-, Zinn- und Zink teile erzeugengetriebene und geprefste Bauornamente, Dachrinnen u. dergl.
4. Fabriken für Thon- und Gipsteile. Leitungs- unddergl. Röhren kommen natürlich fertig aus der Fabrik. Die Kachelnder Ofen werden in immer gröfserem Umfange von bedeutendenOfenfabriken geliefert. Aus Gips werden Figuren, Rosetten undganze Plafonds in grofsen Betrieben aufserhalb des Baus hergestellt.Vielfach werden auch die ebenfalls fabrikmäfsig, mit weiblichenArbeitskräften erzeugten Ornamente aus Papierstuck und Karton-zierat verwendet (U. III, 82). Gerade die kostbai-sten Stück-arbeiten sowohl als Deckenverzierung wie als Fassadenschmuckstammen aus grofsen Fabriken.
5. Fabriken für Glasteile. Dafs die Glasscheiben selbstaus den Glasfabriken hervorgehen, versteht sich wiederum vonselbst. Bei der zunehmenden Verwendung von Glas bei denmodernen Bauten, die vielfach nur aus Glas und Eisen bestehen,hat die Industrie des gewalzten Glases eine erhebliche Förderungerfahren. Aber auch die Herstellung der Glasteile eines Hauses ineinem weiteren Stadium ihrer Bearbeitung erfolgt heute vielfachfabrikmäfsig: ich meine die Anfertigung der Fenster in grofsenFensterfabriken, die teilweise schon eine ganz bedeutende Ausdeh-nung erlangt haben. So wird uns eine Leipziger Fensterfabrik be-schrieben, die aufser dem Verwaltungspersonal 76 Arbeiter undeine Dampfmaschine von 25 PS. beschäftigt und deren Absatz-gebiet, wie das der andern Fensterfabriken in Leipzig sich über
1 Vgl. den Überblick über den heutigen Stand der Fabrikation von Bau-schlosserartikeln in U. IV, 285 f. Nur ist zu bemerken, dafs sich seit demJahre 1887, in dem Frankenstein sein Buch über die Hausindustrie im Kr.Schmalkalden , ja sogar seit dem Jahre 1891, in dem Stegemann seineStudien .auf dem Gebiete derbergischen Klein- und Hausindustrie in der Zeit-schrift für Handel und Gewerbe veröffentlichte, sich der Übergang von derHausindustrie zum Grofsbetriebe in weitem Umfange vollzogen hat.