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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Sphäre des specialis. Grofsbetriebs. 543

Mau rer ei allerdings wohl dank ihrer Natur an die aufserliaus-industrielle Betriebsform gebunden ist, besteht bei allen übrigenBaugewerben (weil sich hier die Arbeit in zwei getrennte Ge-biete: die Herrichtung der Bauteile aufserhalb des Baues und derenAnbringung am Bau teilt) die Möglichkeit einer Entwicklung zumGrofsbetriebe für jenen von der Baustelle loslösbaren Teil desArbeitsprozesses.

Die Zimmerei hat wohl von allen lokalen Baugewerben diestärkste Tendenz zu grofsbetrieblicher Entwicklung. Von altersherruht sie, wie wir wissen, auf breiterer Basis als irgend ein anderesder ehemaligen Bauhandwerke, die Maurerei vielleicht ausgenommen,neuerdings ist sie stark mit kapitalistischem Geiste erfüllt worden. DieTechnik der Holzbearbeitung kommt aber einer fabrikmäfsigen Gestal-tung des Betriebes entgegen, sodafs wir uns nicht wundern dürfen, selbstin den kleineren Orten auf bedeutende Dampfzimmereien zu stofsen,die mit allen maschinellen Hilfskräften ausgestattet die Bearbeitungdes Holzes vom rohen Baum bis zum fertigen Fachwerk ausführen.Solchen Dampfzimmereien mit 20, 40, 100 beschäftigten Personenbegegnen wir schon in Städten wie Nakel (U. IV, 215/216), Eis-leben (U. IX, 311/312) etc. Von jeher sind einzelne hölzerne Bau-arbeiten (Fenster, Thüren, Fufsboden, Treppen) von Zimmerei undTischlerei 1 mit wechselndem Erfolge als je ihrem Produktionsgebietezugehörig reklamiert worden. Jetzt, da die Zimmerei in raschemTempo grofskapitalistischer Gestaltung zueilt, scheint ihr Strebenallgemein darauf gerichtet, die sämtlichen Holzarbeiten am Bau ansich zu ziehen und dieses Streben auch vielfach von Erfolg gekröntzu sein 2 . Da sie die Dampfkraft schon haben, so sind nur wenig

1 Bekanntlich bildete die Bautischlerei ursprünglich nur einen Zweig derZimmerei, und hat sich erst allmählich aus dieser losgelöst, um nun in ihrenSchofs zurückzusinken. Der Entwicklungsgang findet seinen sprachlichenAusdruck in dem französischenmenuisier, d. i. der Bearbeiter desmenubois im Gegensatz zum Grobhölzner. Sehr hübsch sind die Wandlungen derZimmerei dargestellt in dem Werke Pierre du Maroussems, Le charpen-tier de Paris . Vgl. auch seinen Ebeniste, p. 28.

2 Konstatiert für Augsburg U. III, 535; Umgegend von Berlin VII,490/91; Freiburg i. B. VIII, 241; Eisleben IX, 311/12; Jena IX, 56; München :Thurneyssen, a. a. O. S. 42 ff. 62. Es mag hier darauf hingewiesen werden,dafs in fortgeschrittenen Ländern, wie England und U.S.A. , diese Vereini-gung der weiland Bautischlerei und Zimmerei in einheitliche Betriebeschon vollzogen ist. Es findet das seinen Ausdruck auch in der Thatsache ,

"dafs die Zimmerleute (carpenters) und Bautischler (joiners) gemeinsame Ge-werkvereine bilden, während die Möbeltischler (cabinet-makers) für sich or-ganisiert sind.