Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Sphäre des specialis. Grofsbetriebs. 547
Tischler kommt mit seinen der Bearbeitung bedürfenden Stückenzu diesen Lohnschneidereien gefahren und bedient sich der dortaufgestellten Maschinen stundenweise.
Hier haben wir also den reinsten Typus des schon erwähntenFalles: des kapitalistischen Grofsbetriebs im Dienste des Hand-werks. Welche Bedeutung diese Einrichtung für die Konkurrenz-fähigkeit des letzteren hat, ist hier nicht der Ort festzustellen. Ichkomme an anderer Stelle darauf zurück b
Einen Teil der noch übrigen Gerätschaftsgewerbe kann ichkurz erledigen: Fast sämtliche, mindestens 90°/o aller Artikelder früheren Klempner- und Drechslerhandwerke werdenschon heute in grofsen Fabriken erzeugt 1 2 ; aus dem Produktions-gebiet der Böttcherei ist die wichtige Fafsfabrikation vom kapita-listischen Grofsbetrieb aufgegriffen; von ehemaligen Buchbinder-arbeiten werden schon längst Portefeuille- und Kartonnagearbeitenvon Grofsbetrieben besorgt; das Einbinden der Bücher selbst jedochist ebenfalls in weitem Umfange schon dem kapitalistischen Grofs-betriebe verfallen, wie wir bei Erörterung der „Verlagsunterneh-mung“ sehen werden. Im Gebiete der Sattlerei ist die Herstel-lung von Koffern, Taschen und ähnlichen Artikeln in kapitalisti-schen Grofsbetrieben schon längst die Regel. Aber auch die feinereGeschirrarbeit wird mehr und mehr in Specialbetrieben ausgeführt.
Was aber sonst an gewerblicher Thätigkeit hier noch zunennen wäre, will ich im folgenden Abschnitt unter dem Gesichts-punkte des Kunstgewerbes zusammenfassend behandeln.
E. Kunstgewerbe.
Trotzdem die gesonderte Behandlung der „Kunstgewerbe“ einenoffensichtlichen Schönheitsfehler am einheitlichen Aufbau diesesKapitels bildet — Kunstgewerbe stehen nicht im Verhältnis derNebenordnung zu den vorher genannten, ja sie stellen überhauptkeine besondere Kategorie von Gewerben dar, sondern jedes Ge-werbe, mag es dem Ernährungs-, dem Bekleidungs-, dem Wohn-oder welchem Bedarf immer dienen, kann sich zum Kunstgewerbe
1 Siehe die Beschreibung solcher Holzbearbeitungsgeschäfte in Augs-burg U. III, 544; Berlin IV, 382 ff.; Köln I, 267. 278. 290; Mainz III, 318 f.;München Thurneyssen, a. a. O. S. 102 ff.; Posen U. I, 87.
2 Der Beweis wird erbracht werden, wo ich die heutige Lage der ge-nannten Handwerke besprechen werde (vgl. das 26. Kapitel).
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