Vierundzwanzigstes Kapitel. Die Sphäre des specialis. Grofsbetriebs. 549
Emaillierkunst, die Galvanoplastik, das Niello u. a., um die höch-sten künstlerischen Wirkungen zu erzielen und gleichzeitig demArbeitsbetrieb die denkbar gröfseste Mannigfaltigkeit zu verleihen.Berühmte Betriebe der gedachten Art finden sich in Württemberg an verschiedenen Orten, wie Schwäbisch-Gmünd , Efslingen, Lud-wigsburg , Geislingen h Neuerdings hat auch Berlin angefangen,seinen Ruf auf diesem Gebiete zu begründen; Wien ist ihm vor-aufgegangen (vgl. UOe. 611. 616). Freilich ist im grofsen GanzenDeutschland in diesem Zweige des Kunstgewerbes, soweit es sichum erstrangige Leistungen handelt, wenigstens bis in die letztenJahre des 19. Jahrhunderts hinein, noch vielfach abhängig vomGeschmack des Auslandes, namentlich Frankreichs . Wenn auchvielleicht nur aus alter Gewöhnung, kaufen wir doch immer nochlieber eine Bronze von Barbedienne als von einem deutschenFabrikanten. Im Auslande haben sich derartige Metallwaren-geschäfte, die einen Weltruf als Horte künstlerischen Könnens er-worben haben, zu wahren Riesenunternehmen ausgewachsen. Dieberühmten Pariser Bronzefabriken sind Betriebe gröfsten Umfangs,die Weltfirma Christofle & Co. — uns meistens nur als Lieferantinder „Christofle-Bestecke“ bekannt — beschäftigt mehrere tausendPersonen in allen Zweigen des Metallgewerbes 1 2 .
Zu grofser künstlerischer Blüte haben es auch die U. S. A. aufdiesem Gebiete gebracht. Ich erwähne das an dieser Stelle, umauch hierbei auf den engen Zusammenhang zwischen grofsbetrieb-liclier Gestaltung und höchster künstlerischer Leistung hinweisenzu können. Jenseits des grofsen Wassers ist es vor allem das HausTiffany & Co. , das in Gold- und Silberarbeiten, aber auch inanderen Metallindustrien sich eine führende Stellung errungen hat,und das auch in Europa von jedem mit einem Ausdruck der Be-wunderung genannt wird, der sich je mit kunstgewerblichen Gegen-ständen der einschlägigen Gattung beschäftigt hat. Von dieservielleicht bedeutendsten Firma auf dem Gebiete des Kunstgewerbesentwirft J. Lessing in seinem amtlichen Ausstellungsberichtfolgende Schilderung: „Tiffany verfügt über einen Stamm vorzüg-licher Arbeiter und beherrscht alle in der alten Kunst üblichenTechniken, das Farben der Metalle, das Einhämmern, Einschmelzenund Emaillieren in höchster Vollendung . . . Entgegengesetzt der
1 Hier hat die berühmte „Wiirttembergische Metallwarenfabrik“ ihren Sitz.
a 1855 schon 1300 Arbeiter. Vgl. den Amtlichen Bericht über die All-gemeine Pariser Weltausstellung ... im Jahre 1855. (1856). S. 377.