Fünfundzwanzigstes Kapitel. Die kombinierte Unternehmung. 555
Markt, sondern führt die Aufträge gehorsamst aus, die ihm vonseinem Brotgeber: einem kapitalistischen Unternehmer heterogensterArt zugehen. Es ist etwa dasselbe Verhältnis, wie das des Tischler-meisters, der für Möbelmagazine oder Möbelfabriken arbeitet. DerUnterschied liegt nur darin, dafs das Produktionsgebiet des „Meisters“von dem seines Auftraggebers stoff- oder arbeitsverschieden ist.Fälle solcher Angliederung kommen nun häufiger für folgende Ge-werbe vor:
Drechsler, die für Tischlereien, Zimmereien, Tapezierereien etc.die gedrehten Holzteile liefern;
Buchbinder, die für Verlagsanstalten partienweise Bücherbinden oder auch für beliebige Geschäfte Kartonnagearbeitenbesorgen.
2. Die Eingliederung eines früher handwerksmäfsig aus-geübten Gewerbes in eine kapitalistische Unternehmung setzt immergleichzeitig auch eine Eingliederung in einen vorhandenen Grofs-betrieb voraus; hier ist es also am Platze und statthaft, von einem„kombinierten Grofsbetriebe“ zu sprechen. Sie erfolgt, wenn dieVerbindung der betreffenden Hilfsthätigkeit mit dem Hauptproduk-tionsprozefs eine so enge geworden ist, dafs die örtliche Trennungstörend wirkt oder die Masse der beanspruchten Nebenarbeit ge-nügt, um eine Arbeitskraft ganz zu beschäftigen. Je gröfser alsoein Betrieb, desto zahlreicher und heterogener die eingegliedertenHilfsgewerbe! So finden wir z. B. in den Gufsstahl- etc. WerkenKrupps eine Buchdruckerei mit 11 Pressen und eine Buchbinderei;in der Stollwerkschen Schokoladenfabrik ebenfalls eine Buch-druckerei mit 6 Schnellpressen und eine Buchbinderei. Aber dassind natürlich einstweilen noch Ausnahmen. Was wir vielmehr anhäufig wiederkehrenden Fällen von Eingliederungen ehemaligerHandwerke in kapitalistische Grofsbetriebe beobachten, sind nament-lich folgende:
Böttcher finden wir in vielen Grofsbetrieben, die ihre Fabri-kate in Holzgefäfsen zubereiten oder in Fässern versenden, als dasind: Ölraffinerien, Cement -, Seifen- und Farben-, Wein-, chemi-schen Fabriken, Branntweinbrennereien und namentlich Brauereien k
1 Nach der Schätzung eines Brauereidirektors besteht das Personal jedergrofsen Brauerei zu 10% aus Böttchern. Vgl, auch U. II, 46 f. In der be-deutendsten Breslauer Brauerei fand ich unter 140 insgesamt beschäftigtenPersonen 6 Böttcher. Vgl. für das Folgende auch Stat. d. D. Reichs. N. F,119, 103 ff.