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selten in so vollendeter, wenn ich so sagen darf, reinen Form. Essei gestattet, da ich, wie die Dinge heute liegen, nicht bei allenLesern betriebstechnische Anschauungen in gröfserem Umfangevoraussetzen darf, zum besseren Verständnis des folgenden diesenTyp des kombinierten Grofsbetriebes in aller Kürze zu skizzieren.Die Waggonmanufaktur, die ich meiner Schilderung zu Grundelege, ist die „Breslauer A.G. für Eisenbahnwagenbau“, eine dergröfsten Deutschlands , mit einem Kapital von ca. 13 Mill. Mk. undeiner Arbeiterschaft von rund 2000 Personen. Wenn wir durch diesesEtablissement, das einen Flächenraum von mehr als 100 Morgenbedeckt, einen Rundgang unternehmen, so ist es, als ob wir diezahlreichen Handwerkerstätten einer Stadt durchschritten: wie ineinem Mikrokosmos sind Dutzende von Gewerbezweigen hier aufeinem Flecke vereinigt. Wir beginnen unsere Wanderung bei denschier unübersehbaren Holzlagern, in denen die verschiedenstenHolzsorten von den deutschesten bis zu den fremdesten zu jahre-langem Ausruhen aufgestapelt liegen. Neben den Hölzern lagerndie Eisenstücke und -blocke, die in eigener Giefserei verarbeitetwerden. Von jenen führt der Weg in die hölzerne, von dieser indie eiserne Region des Werkes. Verfolgen wir jenen zuerst, sogelangen wir zu den Dampfsägen, Dampthobel-, -Fräse- etc. Ma-schinen, mittelst deren die Stämme zu Balken oder Brettern her-gerichtet werden. Nun können die holzverarbeitenden Gewerbesich ihrer bemächtigen: sie wandern in die Werkstätten der Stell-macher oder Drechsler oder Tischler, von denen wir mehrerehundert an der Arbeit finden. Überall sind „gelernte“ Arbeiter,„Gesellen“ thätig. Und während die Hölzer zur Verarbeitung ge-langen , sind auch die Eisenarbeiter nicht säumig gewesen: ingrofsen Hallen stofsen wir auf ca. 200 Schmiede, die in Gruppenzu 3 und 4 vor je einem Feuer in wesentlich althandwerksmäfsigerTechnik, nur hie und da von einem Dampfkrahn oder Dampf-hammer bedient, die Achsen und Reifen und sonstigen Eisenteiledes Waggons zu fertigen bemüht sind. Wo aber das Eisen inkaltem Zustande verarbeitet wird, ist das Herrschaftsgebiet derBohrer und Dreher, und wo schon die Montage beginnt, derSchlosser und Monteure. Sind die Wagen im Rohbau fertig,so sorgt die Kohorte der Lackierer für den Anstrich, Glasersetzen die Scheiben ein, Sattler und Tapezierer eilen herbei,um die in ihren Werkstätten schon zubereiteten Polsterungen an-.zubringen, und Klempner befestigen die Beleuchtungskörper, die