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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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559
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Füufundzwanzigstes Kapitel. Die kombinierte Unternehmung. 559

Traufen, Röhren und Abflüsse, die an keinem kompletten Eisen-bahnwaggon mehr fehlen.

Solche Betriebstypen weist die moderne Grofsindustrie zahlreicheauf. Ich erinnere an die bereits erwähnte, der Waggonfabrik naheverwandte Kutschenmanufaktur, an die Bijouteriefabri-kation, in der eine Reihe von Metallgewerben, als Metalldreher undDrücker, Ciseleure, Graveure, Vergolder, Schleifer, Galanterieschlosseru. dergl. vereinigt sind, an die Bürstenmanufaktur, in der wirKistenbauer, Tischler, Klempner, Schlosser, Drechsler u. a. beschäftigtfinden, an die Korbmöbel- und Korbwagenfabrikation,bei der Korbmacher, Tischler, Sattler, Stellmacher, Lackierer,Schlosser, Schmiede etc. Zusammenwirken, aber auch an die Klavier-und Orgelbauer eien, an zahlreiche Formen der Möbel-fabriken, an optische und mechanische Werkstätten 1u. a. m.

Einige dieser Industriezweige haben nie eigentlich auf ehe-maliges Handwerksgebiet hinübergegriffen: die Zusammengliede-rung handwerksmäfsiger Thätigkeit ist dann nicht auf Kosten be-stehender Handwerksbetriebe, sondern auf dem Wege der Neu-schöpfung erfolgt; andere bedeuten das Grab so manchen blühen-den Handwerks, über das aber längst das Gras gewachsen ist; nochandere endlich sind erst jetzt dabei, die selbständigen Handwerkein den neuen Mechanismus der kapitalistischen Unternehmung ein-zufügen. Diesen wendet sich unser Interesse vor allem zu, undihrer müssen wir noch einige besonders bedeutsame namhaft zumachen suchen. Denn ohne Zweifel haben wir es hier mit Ent-wicklungstendenzen durchaus allgemeiner Natur zu thun.

Nur vereinzelt beobachten wir die Fälle von Zusammengliede-rungen ehemals selbständiger Handwerke auf dem Gebiet der Er-nährungsgewerbe: mir sind nur sporadische Bestrebungen be-kannt geworden, Müllerei und Bäckerei, ferner Bierbrauerei undMälzerei auf kapitalistischer Basis zu vereinigen.

Auch die Bekleidungsgewerbe weisen nur selten Erschei-nungen der bezeichneten Art auf. Die wichtigste und verhältnis-mäfsig häufigste dürfte wohl die Vereinigung von Gerberei undSchuhmacherei in e i n e r Unternehmung sein. Wir beobachten,dafs einerseits Grofsschustereien sich Gerbereien anlegen, ander-

1 Die berühmten Optischen Werkstätten von Carl Zeifs in Jena ent-halten u. a. eine Giefserei, eine Schlosserei, eine Tischlerei, eine Lederei, eineGravieranstalt, eine Polieranstalt und eine Lackiererei. Vgl. Pierstorff,Die Carl Zeifs-Stiftung. S.-A. aus Schmoll ers Jahrbuch (1897) S. 7.