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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Fünfundzwanzigstes Kapitel. Die kombinierte Unternehmung. 565

prunkvoll ausgestattete öffentliche Gebäude, Hotels, Restaurationen

u. s. w.

Für die Ausführung solcher künstlerischen oder doch wenigstensprotzigen Einrichtungen ist recht eigentlich das kollektive Ausstat-tungsgeschäft ins Lehen getreten. Sein Hauptdepartement bildetdie Möbelfabrik, richtiger Möbelman ufaktur. Das ist ein ganznach Analogie der Waggonmanufaktur angelegter Grofsbetrieb, indem Einrichtungen jeder Art, sowohl Holz- als Polstermöbel an-gefertigt werden. Die Möbelmanufaktur vereinigt unter einemDache oder doch auf einem Hofraume die Werkstätten der Tischler,Drechsler, Bildhauer, Tapezierer, Lackierer, Vergolder, Schlosseru. a., und ist mit den notwendigen Holzbearbeitungsmaschinenselbstverständlich versehen. In ihren Bureaus arbeitenakademischausgebildete Zeichner, die die Entwürfe konzipieren und für dieweitere Ausführung aufzeichnen. Wie schon erwähnt, sind es fastimmer nur Kunstmöbel bester Qualität, die in solchen Möbelmanu-fakturen, deren Arbeiterstamm selbst ein hochqualifizierter ist, dasLicht der Welt erblicken. Umgekehrt kann aber auch ohne Über-treibung gesagt werden, dafs 99°/o aller wirklich künstlerisch aus-geführten Möbel aus Möbelmanufakturen grofsen Umfangs stammen.Es deckt sich hier, wie in den meisten übrigen Branchen, der BegriffKunstgewerbe und Grofsbetrieb fast völlig. Das war jedemeinigermafsen mit gewerblichen Verhältnissen Vertrauten längst be-kannt. Neuerdings ist es durch dieUntersuchungen wieder invollem Umfange bestätigt worden b Berühmte Centren der Kunst-möbelmanufaktur sind Mainz, München, Stuttgart.

Eine Zeit lang pflegt in der Regel die Möbelmanufakturdie Polsterarbeiten durch Tapezierer aufser dem Hause ausführenzu lassen: solche Fälle haben wir oben bereits konstatiert.Fast immer aber werden dann im Laufe der weiteren Entwick-lung eigene Polsterwerkstätten errichtet. Und zwar um so

1 Für Augsburg U. III, 513 f.; Mainz III, 310 f. und zahlreiche andereStädte. Am ausführlichsten ist die künstlerische Möbelmanufaktur grofsenStils behandelt von P. du Maroussem, Ldbeniste du Faubourg S. Germain.1894. Überall, wo in neuerer Zeit in besonders hervorragender Weise diekünstlerische Ausschmückung von Innenräumen unternommen worden ist,waren die Lieferanten stets Gröfsestbetriebe: Schlösser Ludwigs II., DeutscherReichstag u. s. w. Über die allerneueste Phase der Kunsttischlerei undanderer Kunstgewerbe, wie sie in der Organisation derVereinigten Werk-stätten in München, Dresden etc. seit einigen Jahren zu Tage tritt, sprecheich im 2. Bande ausführlich.