564 Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus.
gestrebt, sämtliche Möbel in gebrauchsfertigem Zustande zu liefern,erst die Holzmöbel, was schon die Eingliederung früher selbstän-diger Handwerke bedingte, dann aber auch die Polstermöbel, wodurchdas Tapeziergewerbe in den Kreis ihrer Thätigkeit gezogen wurdeund die moderne Möbelmanufaktur entstand. Diese brauchte dannnur zur dekorativen Ausschmückung derWohnräume mit Gardinen,Portieren, Teppichen und anderen Schmuckstücken überzugehen,und das Ausstattungsgeschäft war fertig. Umgekehrt gliederte sichdas ursprünglich reine Tapezier- oder Dekorationsgewerbe erst ein-mal die Dekorations- oder Tapezierarbeiten an; dann ging es dazuüber, die notwendigen Holzmöbel ebenfalls zu fabrizieren, so dafsauch auf dieser Seite der Kreis der für die komplette Einrichtungerforderlichen Thätigkeiten geschlossen war.
Dieser Entwicklungsgang erfolgt naturgemäfs in einer Keihevon Stufengängen, auch in den verschiedensten Aufeinanderfolgen,und weist die mannigfachsten Mischungen von Organisationsformenauf. Dementsprechend präsentiert sich uns ein überaus buntes Bildvon Gestaltungen auf diesem Produktionsgebiete in den einzelnenOrten.
Im allgemeinen wird sich der Stand der Dinge, denke ich, wiefolgt kennzeichnen lassen: soweit minderwertige und mittelguteWohnungseinrichtungen in Betracht kommen, fällt die eigentlichedekorative Arbeit ganz aus: das junge Paar kauft sich die Möbelim Möbelmagazin, eventuell einem Abzahlungsgeschäft, den Sofa-teppich, die Bettvorlagen und die Übergardinen in der Teppich-handlung, die event. mit dem Möbelabzahlungsgeschäft verbundenist, stellt die angeschafften Kostbarkeiten in seinem Mietskubus aufund Hausfrau und Hausherr, allenfalls unter Zuhilfenahme einessich selbst „Dekorateur“ titulierenden Tapeziers, sorgen für das ge-schmackvolle „Arrangement“. Wie die Möbel, die für diese ArtEinrichtungen in Frage kommen, entstehen, soweit ihre Produktionbereits eine kapitalistische ist, haben wir oben gesehen: vgl.S. 500 ff.
Anders bei den Einrichtungen für reiche Leute. Hier handeltes sich um die Erzielung einer dekorativen Gesamtwirkung in denWohnungen, zumal wenn sie in eigenen Häusern Riegen und diekünstlerischen ü aunen eines Architekten ihre Ausschmückung über-nommen haben. Hier handelt es sich aber auch um einzelne wert-volle Stücke, seien es künstlerisch geformte Holzmöbel, seien esmit kostbaren Stoffen überzogene Divans und Fauteuils oder Tep-piche oder Vorhänge oder Nippes. Dasselbe gilt natürlich für