Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. 57 1
alten Produktionsweise waren, oder die Nachfrage nachdiesen verringert durch Herstellung von Ersatzartikeln k
Dafs uns hei dieser Gebietsabgrenzung die allgemeine Berufs-und Betriebsstatistik wiederum von so gut wie gar keinem Nutzensein kann, mag hier noch einmal ausdrücklich betont werden. DieBedeutungslosigkeit dieser Statistik gerade für die vorliegende Auf-gabe liegt vor allem in dem Umstande begründet, dafs die Zahlder Berufsangehörigen gar keinen Aufschlufs giebt über ihren An-teil an der gesamten Produktionsleistung: denn wenn einer Schusterist, so weifs ich noch nicht, ob seine Thätigkeit ganz oder teilweisein der Verfertigung neuer Schuhe, im Reparieren alter oder darinbesteht, dafs er die Kuhherde der Gemeinde hütet oder nachts überdie Sicherheit seines Heimatsortes wacht. Wie immer, werdenwir daher auch in diesem Kapitel einen sehr decenten Gebrauchvom Zahlenmaterial der allgemeinen Statistik machen und vielmehrin der Hauptsache wiederum unsere bewährte induktive Methodezur Anwendung bringen. Was wir mit deren Hilfe an Einsichterlangen, kann freilich niemals eine genaue Quantitätsvorstellungsein, sondern wird sich immer mehr als eine Erkenntnis der in dergewerblichen Produktion wirksamen Verschiebungstendenzen qualifi-zieren. Das ist aber auch das wichtigste. Denn selbst wenn unsMittel und Wege gegeben wären, einen quantitativ genauen Über-blick über den Status quo hodie zu gewinnen, so würde unsdoch immer die Freude an dieser Erkenntnis durch die Erwägunggetrübt werden, dafs das Bild in dem Augenblicke, in dem wir esfixiert hätten, dank der rasend schnellen Veränderungen in unseremWirtschaftsleben, schon nicht mehr völlig getreu die Wirklichkeitwiderzuspiegeln im stände wäre.
Um den Zusammenhang mit dem 18. Kapitel herzustellen undden Überblick zu erleichtern, soll die Unterscheidung in ländlichesund städtisches Gewerbe auch den folgenden Ausführungen zu Grundegelegt und sollen deutsche Verhältnisse vorwiegend berücksichtigtwerden.
A. Die Entwicklung auf dem Lande.
Wer die heutige Gestaltung des gewerblichen Lebens auf demLande zu überblicken vermöchte, würde gewifs durch die bunte
1 Die Theorie der gewerblichen Produktionsverschiebung hat ihre Aus-bildung namentlich durch Bü chers Arbeiten erfahren, dessen Gedankengängeich zum erstenmal angedeutet finde in der oben citieTten Schrift von Rod-bertus aus dem Jahre 1849.