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1 (1902) Die Genesis des Kapitalismus
Entstehung
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Zweites Buch. Die Genesis des modernen Kapitalismus .

Mannigfaltigkeit überrascht werden, die das Nebeneinanderbestehender verschiedenen Organisationsformen gewerblicher Arbeit demAuge darböte. Bäuerliche und gutsherrliche Eigenwirtschaft, dasLohnhandwerk in seinen verschiedenen Gestalten, das Kaufhand-werk, den gewerblichen Kapitalismus in allen Formen würde er imKampfe um die Herrschaft erblicken.

Es fragt sich nun, ob sich in diesem bunten Bilde irgendwelcheRegelmäfsigkeiten der Umbildung, irgendwelche konstanten Ver-schiebungstendenzen werden nachweisen lassen. Ich glaube ja.Und zwar scheint es mir, als müfsten folgende Entwicklungs-tendenzen für das ländliche Gewerbe unterschieden werden:

1. Verminderung der Eigenwirtschaft;

2. Verminderung des Lohnhandwerks

und zwar beides soweit nicht Bedarfswegfall in Fragekommt entweder zu Gunsten des Kaufhandwerks, oderzu Gunsten des Kapitalismus; und

3. Verminderung des Kauf handwerks dieses immer zu Gunstendes Kapitalismus . Was auch so ausgedrückt werden kann: wirbeobachten auf dem Lande:

a) noch immer ein Vordringen der handwerksmäfsigen Organi-sation ;

b) ein Vordringen des gewerblichen Kapitalismus .

Wobei noch insbesondere darauf hinzuweisen wäre, dafs sich keines-wegs eine regelmäfsige Stufenfolge der Organisationsformen be-obachten läfst, sondern sich ebenso häufig ja man könnte sagenmeistens ein unvermittelter Übergang von irgend einer der be-stehenden primitiven Produktionsweisen zu der kapitalistischen Wirtschaftsweise vollzieht. So dafs also der hier und da zu be-obachtende Fortschritt lokaler Tauschwirtschaft auf Kosten vonEigenwirtschaft mit angegliedertem Lohnwerk sich doch mehr alseine gelegentliche Erscheinung darstellt und vielmehr die Eroberungaller vorhandenen vorkapitalistischen Gewerbeverfassung durch denKapitalismus als der typische Verlauf erscheint.

Wenn ich diese Behauptungen durch Thatsachen nun erweisensoll, so wird es sich empfehlen, abermals eine Unterscheidunginnerhalb der Gesamtheit ländlicher Gewerbe zu treffen, zu sondernnämlich dasjenige, was ich Landhandwerk nennen will, vondemjenigen, was als Handwerk auf dem Lande bezeichnetwerden soll. Unter jenem Ausdruck fasse ich dann diejenigenHandwerke zusammen, die man diespecifiscli ländlichen Hand-werke deshalb nennen kann, weil sie den Bedarf des Landwirts