Sechsundzwanzigstes Kapitel. Das Handwerk in der Gegenwart. 573
als Produzenten befriedigen sollen und damit in qualitativ unter-schiedlicher Weise charakterisiert werden, also in erster LinieSchmiederei und Stellmacherei, während Handwerke auf dem Landealle übrigen sind, die ebensogut städtische Handwerke sein können,weil sie für den privaten Konsumtionsbedarf der ländlichen Be-völkerung arbeiten, dieser aber in den Hauptzügen mit dem derstädtischen Bevölkerung identisch ist: nur quantitative Unterschied-lichkeit! Besondere Beachtung unter diesen verdienen dann nochdiejenigen, die sich als Lohngewerbe unmittelbar an die ländlicheEigenwirtschaft angliedern und damit eine Mittelstellung zwischenden beiden genannten Kategorien einnehmen *.
I. Hausgewerbliche Eigenproduktion und Lohn-gewerbe.
Den heutigen Umfang der hausgewerblichen Eigen-produktion oder auch nur die Tendenz ihrer Verringerung durchThatsachen zu erweisen, ist so gut wie unmöglich. Wir müssenuns mit Schlüssen aus gelegentlichen Berichten begnügen und derLeser ist im übrigen auf die Ausführungen in dem Abschnitt überdie Theorie der gewerblichen Entwicklung im zweiten Bande zuverweisen, wo der Nachweis einer notwendigen Auflösung derländlichen Eigenwirtschaft und damit natürlich auch des Haus-gewerbes zu erbringen versucht werden wird.
Immerhin weisen uns schon die Mitteilungen, die wir über denheutigen Stand der Dinge besitzen, darauf hin, dafs zwar haus-gewerbliche Eigenproduktion sich in Deutschland ebenso wie inden übrigen Kulturländern noch heute in beträchtlichem Umfangevorfindet, jedoch die Tendenz hat, zu verschwinden. Die einzelnenFälle von hausgewerblicher Eigenproduktion und Störarbeit, die ichin den Quellen gefunden habe — und die jeder Besucher abgelegener
1 So namentlich die Müllerei und Brauerei. Die Präponderanzdieser Gewerbe und der specifisch ländlichen Handwerke auf dem Landeerweisen auch die Ziffern der Statistik. So ergeben die Zahlen der „Erhebungüber Verhältnisse im Handwerk“ (1895), dafs Brauerei, Müllerei, Schmiederei,insbesondere Hufschmiederei, Stellmacherei (und aufserdem noch Zimmerei,diese aber nur in Gestalt von Alleinarbeitern) diejenigen Gewerbe sind, welchemehr Meister oder mehr Personal oder beides mehr in den Zählbezirkenaufser der jedesmal „gröfsten Gemeinde“ beschäftigen: vgl. Bd. I S. 40. 41.Eine Specialstatistik für Graz und Umgegend ergiebt, dafs in der StadtGraz 18 Huf- und Wagenschmiede (neben 70 Schlossern), im Handelskammer-sprengel aufser Graz 1454 Schmiede (neben nur 217 Schlossern) existierten:UOe. 312.