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Bauern in Württemberg noch hie und da ihr Schuhwerk auseigenem vom Lohgerber gegerbten Leder durch den Störer her-steilen lassen, erfahren wir ebenfalls (U. VIII, 461).
Über Elsafs-Lothringen verlautet, dafs hausgewerbliche Thätig-keit noch „vereinzelt“ vorkommt 1 .
Vom Königreich Bayern wird zusammenfassend berichtet:„Von gewerblichen Erzeugnissen zum eigenen Gebrauche werdenGespinste und Gewebe noch hie und da angefertigt, doch von Jahrzu Jahr in geringei’em Umfange 2 * .“ Die Anfertigung des Schuhwerkserfolgt noch vielfach auf der Stör. Von einem bayerischen Bezirks-amte aus unseren Alpen liegen darüber folgende Daten vor 8 : Derräumlich grofse Distrikt ist schwach bevölkert und zerstreut be-siedelt; von den 17 Gemeinden sind nur einige gröfsere Ortschaften,neben geschlossenen Dörfern finden sich sehr viel weit voneinanderentfernte Einzelhöfe . . . Hier ist die Störarbeit noch sehr imSchwange. Bei den Arbeitskontrakten der Knechte und Mägde istes üblich, neben dem Lohn und der Kost auch die Verabreichungeines Gewandes sowie 1—2 Paar Schuhe im Jahre zu bedingen.Mit der Verdrängung der Verpflichtung der Dienstboten auf einJahr durch die wöchentliche Löhnung kommt zwar diese Sitte inAbnahme, hält sich aber doch noch in den besseren Bauernwirt-schaften, die auf tüchtige und ständige Dienstboten viel geben.Selbstverständlich wird in erster Linie der Schuhbedarf des Eigen-tümers und seiner Familie durch die Störarbeit gedeckt. Das nötigeLeder tauscht der Bauer vom Landgerber gegen Lohrinde ein.
Ähnlich wie in diesem für die alpinen Gegenden wohl typischenBezirksamt Bayerns wird auch auf dem platten Lande Oberfrankens der Schuhbedarf noch vielfach gedeckt. Geringen, aber immerhineinigen Aufschlufs giebt die 1890 veranstaltete amtliche „Unter-suchung der wirtschaftlichen Verhältnisse in 24 Ge-meinden des Königreichs Bayern“. Danach wird in fastallen Gemeinden noch das Brotgetreide beim Kundenmüller oderim eigenen Hause des Bauern vermahlen und fast überall selbstverbacken. Über gewerbliche Eigenproduktion erfahren wir nuraus einer Gemeinde (Rothenbuch im Bezirksamt Lohr) etwas Ge-naues : dafs nämlich in Rothenbuch wie im ganzen Spessart die ehe-mals aus eigenem Flachs oder Hanf eigenwirtschaftlich gewonnene
1 A. a, 0. S. 402. 412. 421.
2 Schriften etc. Bd. 54 S. 155.
s E. Francke, Die Schuhmacherei in Bayern. 1893. S. 83/84.